Icon

Orgelpredigt

Start → Register → Predigten → E000086: Orgel=Predigt (Arnstadt 1666)

a Orgel=Predigt (Arnstadt 1666)

Einführung in die Edition

Die Orgelpredigt

Die Le Geographicumg Gebäude: Holzhausen, Dreifaltigkeitskirche Kirche des kleinen thüringischen Dorfes Le Geographicumf Ort: Holzhausen Holzhausen besitzt eine historische Orgel aus dem Jahr 1798, die sich bis heute erhalten hat. Über das Ld OrgelHolzhausen, Sebastian Witschel-Orgel 1665 Vorgängerinstrument, das Lc PredigtautorFidler, Johann David (1609–1668) Johann David Fidler in seiner La OrgelpredigtOrgel=Predigt (Arnstadt 1666) M Orgelpredigt einweihte, scheint auch im Ort selbst so gut wie nichts bekannt zu sein.[1] Dass sich im Text der Predigt kaum Anhaltspunkte zu dem neu errichteten Instrument finden, ist nicht unüblich. Immerhin umreißt der Autor die Ausgangslage für den Erwerb einer Orgel und hebt auch hervor, dass die Kirche bis dahin keine solche besaß:

Wir dieses Orts haben billich dem lieben Gott von Hertzen zu dancken/ daß er in denen Kriegsläufften die Gotteshäuser an beyden Orten/ allhier und im Filial Bitstadt/ nicht allein Gnädig vor gäntzlichem Ruin erhalten: Sondern/ ob gleich dieselben vielmals schändlich spoliiret/ beraubet und verunehret worden/ dennoch nunmehro Gnade verliehen/ daß mit Gebeuden/ Kirchen Ornat und andern nothwendigen Stücken/ die Kirchen an beyden Orten viel besser gezieret und versehen seyn/ als sie vor diesem gewesen. Darzu auch anjetzo dieses kommen/ daß an beyde Orte/ welches zuvor niemals geschehen/ weil solche Kirchen gestanden/ künstliche Orgelwercke verschaffet/ und darbey nach der Orte Zustand und Gelegenheit eine gute Christliche Music, Vocaliter und Instrumentaliter, gehöret wird.[2]

Die finanziellen Mittel für den Orgelbau erwuchsen der kleinen Gemeinde aus der aktuellen politischen Lage. Anfang September 1664 hatte der Lb PersonSchönborn, Johann Philipp von (1605–1673) Kurfürst von Mainz eine Kampagne begonnen, um die Stadt Le Geographicumf Ort: Erfurt Erfurt, die sich von ihm losgesagt hatte, die ihm aber nach den Bestimmungen des Lm Ereignis1648: Westfälischer Friede Westfälischen Friedens wieder zugesprochen worden war, in seinen rechtmäßigen Besitz zu nehmen.[3] Kurmainzische und französische Truppen marschierten vor den Toren der Stadt auf, es schlossen sich einzelne Kampfhandlungen an. Bereits im Vorfeld hatte Lb PersonErnst der Fromme von Sachsen-Gotha-Altenburg (1601–1675) Ernst der Fromme Vieh requiriert und Getreidemagazine angelegt, um für die Kriegshandlungen gerüstet zu sein.[4] Nachdem die Stadt vor der Übermacht kapituliert hatte, beruhigte sich die Lage dauerhaft. Im darauf folgenden Jahr entschädigte der Fürst seine Untertanen für die Retributionen. Fidler drückte in seiner Zueignung an den Landesherren deswegen seinen Dank aus und begründete die Widmung des Predigtdrucks an Ernst den Frommen folgendermaßen:

Erstlich/ weil von E[urer] Fürstl[ichen] Durchl[aucht] Gnädigsten Munificenz und Beförderung diese Orgel/ davon die Predigt handelt/ herkömpt. Denn nach dem E[ure] Fürstl[iche] Durchl[aucht] verwichenes Jahrs in dero Fürstenthumb denen Orten/ welche mit militarischen würcklichen Durchzügen und Einquartierungen belegt worden/ den deswegen colligirten Magazin Gnädigst wiederumb zurück geben lassen/ und diesem Ort sein Antheil auch worden: So haben die Eingepfarrten solches einmüthig ad pios usus bewidmet/ und davon eine Orgel in hiesige Kirchen verfertigen lassen. Ob zwar bißhero öffters das Vorhaben hierinne gewesen/ so hat es doch an Mitteln und Vermögen gemangelt. Gott hat es aber wunderlich also dirigiret/ daß das jenige/ wessen man sich allbereit verziehen/ und anders wohin verordnet gewesen/ wiederumb zurück kommen/ und dem lieben Gott zu Ehren angewendet worden. Das hat nun der Grundgütige Gott durch E[ure] Fürstl[iche] Durchl[aucht] gethan/ derowegen deroselben hiermit in unterthänigster Demuth Danck gesagt wird.[5]

Was hier in dem floskelhaften Stil von Predigt und offizieller Dankesbezeugung ein wenig schwammig bleibt, erschließt die ebenfalls von Fidler verfasste Ortschronik. Dieses Dokument scheint heute leider nicht mehr im Original greifbar zu sein.[6] Sie wurde aber 1927 publiziert und liegt so in einer – sprachlich geglätteten und modernisierten – Fassung vor. Die Quelle schildert nicht nur die Finanzierungsgrundlage, sondern enthält auch entscheidende Hinweise zum Orgelbauer und zur Disposition des Instruments:

Demnach vorm Jahre bei Einnehmung der Stadt Erfurt von Herzog Ernstens Fürstl. Durchlaucht zu Gotha dem Lande zum Besten ein Magazin zu gemeldetem Gotha aufgerichtet, hernach aber, nach abgewendeter Gefahr, denjenigen Orten, welche von den aus Ungarn kommenden Reichsvölkern mit Quartier im Durchmarsch belegt worden, Restitution (Entschädigung) geschehen, dahero auf diesen Ort Holzhausen 33 Arnstädter Maß Korn als Erstattung gekommen, so haben die Einwohner auf Einraten (Anraten) des Herrn Amtsschössers zu Ichtershausen, Herrn Eusebius Jäger, solche Getreide dem lieben Gott zu Ehren angewendet und dafür eine Orgel in hiesige Kirche verfertigen lassen. Weil aber das Getreide nicht hinlangen wollte, so ist, teils durch freiwillige Beisteuer, teils durch gemachten Aufsatz so viel zuwege gebracht worden, daß das Werk vollendet werden konnte. Hat solches verfertigt Sebastian Witschel, Einwohner und Orgelmacher zu Seebergen. Hält in sich nachgesetzte Register, als 1. Principale zu 4 Fuß, 2. Mixtur 3fach, 3. Octav oder Flöte 2 Fuß, 4. Kleingedackt 4 Fuß, 5. Grobgedackt 8 Fuß; darinnen ein Tremulant und Cymbeln. Kostet zu machen 80 Gulden, dann einen Dukaten den Gesellen zum Trinkgeld. Wurden Sonntag den 23. nach Trinitatis, den 29. Oktober, das erstemal geschlagen. Gott gebe ferner Gnade und Segen![7]

Der namentliche genannte Orgelbauer Lb PersonWitschel, Sebastian (fl. 1665) Sebastian Witschel lässt sich bislang nicht näher identifzieren. Besonders wertvoll sind die Angaben zur Disposition. Sie bestätigen nämlich, dass die in der Orgelpredigt allegorisch ausgedeuteten fünf Register exakt den in dem neu erbauten Instrument vorhandenen Registern entsprechen, die Fidler folgendermaßen schilderte:

Es findet sich daselbst: (1.) Das Principal/ welches forne im Gesicht stehet/ und dem Werck eine sonderliche Zierde und Glantz gibt.[8]

Darneben ist auch allhier (2.) Die Mixtur/ da unterschiedliche Pfeiffen in einander gerichtet seyn.[9]

Es findet sich (3.) allhier das grob und klein Gedackte/ welche den Thon und Schall sonderlich ansehnlich und herrlich machen.[10]

(4.) Jst auch vorhanden die Flöte:[11]

Darbey sich auch endlich (5.) der Tremulant findet/ welcher sonderlich lieblich lautet.[12]

Quellenbeschreibung

Als Vorlage für die Edition von Johann David Fidlers Orgelpredigt dient das Exemplar aus der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Le Geographicumf Ort: Halle (Saale) Halle. Dieses ist auch als Digitalisat zugänglich.

Der Druck im Quartformat umfasst 6½ Bögen mit der Signaturformel A-G2. Die ersten Seiten mit Titelblatt und Widmung sind unpaginiert (A1r-A3v). Die Paginierung mit den Seiten 1-45 setzt mit dem Beginn der Predigt auf A4r ein und reicht bis zur letzten Druckseite des Werks (G2r). Der Kolumnentitel Orgel=Predigt. umfasst mit Ausnahme der Anfangsseite den gesamten Hauptteil der Predigt (S. 2-45). Er wird in der vorliegenden Edition einmalig zu Beginn gesetzt.

Für Hinweise auf verwendete Literatur setzt der Autor konsequent Marginalien ein. Nachweise von Bibelstellen erscheinen dagegen im laufenden Text, teilweise kursiviert, teilweise ohne typographische Hervorhebung.

Wie die meisten Orgelpredigtdrucke der Zeit besitzt der Text kaum gliedernde Zwischenüberschriften. An einigen Stellen werden Ordnungszahlen im Text eingesetzt, um eine Reihe aufeinander bezogener Argumente zu kennzeichnen. Außerdem sind an mehreren Stellen übergeordnete Schlagworte durch einen größeren Schriftgrad hervorgehoben Bezieht man sämtliche Gliederungsverfahren ein, besitzt das Werk folgenden Aufbau:

  • [Titelblatt] A1r
  • [Widmung] A1v/li>
  • [Ehrengedichte] A4v-B1v/li>
  • Dedications-Schrifft. A2r-A3v
  • [Orgel=Predigt.] S. 1-45
  • Eingang. S. 1
  • Textus. S. 1
  • Anfang. S. 3
  • (1.) Eine sonderbare Vermahnung zum Lobe Gottes. S. 11
  • (2.) Der Ort/ wo man ihn loben solle. S. 12
  • (3.) Die Ursachen/ warumb man Jhn loben solle. S. 14
  • (4.) Die Art und Weise/ wie es geschehen sollte. S. 15
  • [Nutz und rechter Brauch] S. 16
  • [Daß Gottes Lob nicht allein mit Menschlicher Stimme verrichtet werde/ sondern auch mit allerley Jnstrumenten geschehe] S. 17
  • [Widerlegung der Music Feinde] S. 27
  • [Erinnerung/ wie wir diese unsere newe Orgel recht ansehen und betrachten sollen] S. 30
  • [Erinnerung bey dieser unser newen Orgel] S. 33
  • (1.) Principal. S. 33
  • (2.) Mixtur. S. 34
  • (3.) Grob und Klein Gedackte. S. 35
  • (4.) Flöte. S. 36
  • (5.) Tremulant. S. 37
  • [Vermahnung] S. 39
  • [Trost] S. 42

Lucinde Braun

Einzelanmerkungen

  1. Vgl. den Hinweis auf die Orgelpredigt samt der Anmerkung, es gebe zu diesem Instrument und seinem Erbauer keine Informationen: https://www.haarhausen.com/dreifaltigkeitskirche_holzhausen.html
  2. Orgel=Predigt (Arnstadt 1666), S. 8f.
  3. Für Informationen zu diesem Ereignis danke ich Ludwig Braun. Vgl. auch https://de.wikipedia.org/wiki/Statthalter_Erfurts
  4. Vgl. Fiedler, Beschreibung denkwürdiger Sachen (1927), S. 52f.
  5. Orgel=Predigt (Arnstadt 1666), Bl. 2r-2v.
  6. Der Musikwissenschaftler Rainer Kaiser zumindest hat vergeblich im Kirchenarchiv des Ortes danach gesucht, vgl. Kaiser, Johann Christoph Bachs »Choräle zum Präambulieren« (2001), S. 189, Anm. 28.
  7. Fiedler, Beschreibung denkwürdiger Sachen (1927), S. 55.
  8. Orgel=Predigt (Arnstadt 1666), S. 33.
  9. Orgel=Predigt (Arnstadt 1666), S. 34.
  10. Orgel=Predigt (Arnstadt 1666), S. 35.
  11. Orgel=Predigt (Arnstadt 1666), S. 36.
  12. Orgel=Predigt (Arnstadt 1666), S. 37.

Exemplare

Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek (D-WRz): 40, 3 : 22

Dieses Exemplar konnte nicht eingesehen werden. Nach den Angaben im OPAC der Bibliothek ist es unvollständig: Es fehlen die Seiten 3-18 der Predigt.

Halle (Saale), Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (D-HAu): Pon Yb 4665, QK

urn:nbn:de:gbv:3:1-62291

Das Exemplar der Orgelpredigt, das sich in der Saxonica-Sammlung Lb PersonPonickau, Johann August von (1718–1802) Johann August von Ponickaus erhalten hat, liegt digitalisiert vor und dient als Quelle für die Edition des Werks.[1] Es handelt sich wie immer in dieser Sammlung um ein Einzelwerk im typischen grünen Pappeinband.

Die Provenienz des Drucks ist nicht bekannt. Die einzige Leserspur besteht in einer handschriftlichen Korrektur auf Druckseite 41. Das Wort König wurde mit Tinte zweimal durchgestrichen. Am Rande notierte der Leser die Korrektur Kriegs. Dieser Fehler bei der Wiedergabe einer Bibelstelle fiel auch dem Leser des Jenenser Exemplars auf.

Jena, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (D-Ju): 4 Bud.Hist.un.120(44)

Die Orgelpredigt befindet sich in einem größeren, in Marmorpapier eingebundenem Sammelband. Das vorne im Spiegel und auf dem Vorsatzblatt in dicht gedrängter Schrift angelegte handschriftliche Inhaltsverzeichnis listet 109 Werke auf, die in dem Band vereint sind. Versammelt wurden in dem Konvolut überwiegend kleinere historische Schriften, die chronologisch angeordnet sind. Die älteste stammt aus dem Jahr 1523, die jüngsten erschienen 1717. Die wenigen Kasualpredigten stellen in diesem Rahmen eine Ausnahme dar.

Der Band gehörte dem Jenenser Juristen und Bibliothekar Lb PersonBuder, Christian Gottlieb (1693–1763) Christian Gottlieb Buder, dessen große Gelehrtenbibliothek 1763 in den Besitz der Universitätsbibliothek Jena überging.[2] Die Hand, die das Inhaltsverzeichnis geschrieben hat, ist nach Auskunft des Bibliothekars nicht mit derjenigen Buders identisch. Die Schreibweise von Zahlen und Graphemen deutet auf einen älteren Vorbesitzer hin, dessen Lebenszeit überwiegend in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts fiel.

Die Orgelpredigt weist wie das Exemplar aus der Universitätsbibliothek Halle auf Seite 41 eine Korrektur des falschen Worts König auf. Es wurde ausradiert und mit Tinte in Imitation der vorliegenden Drucktypographie überschrieben. Ersetzt wurde das Wort Kriegs.

Lucinde Braun

Einzelanmerkungen

  1. Vgl. zur Bedeutung dieser Sammlung für den Erhalt sächsischer Orgelpredigtdrucke, Braun, Orgelpredigtdrucke in Regensburger Bibliotheken (2019), S. 241f.
  2. Vgl. http://www.thulb.uni-jena.de/Wir+%C3%BCber+uns/Handschriften+_+Sondersammlungen/Bestands%C3%BCberblick+/Nachl%C3%A4sse+und+Autographen/Nachl%C3%A4sse+und+Teilnachl%C3%A4sse+in+der+ThULB/Buder-p-60199.html

Portaldaten

Dieser Datensatz ist in folgenden Einträgen des Portals verknüpft:

Letzte Änderung dieses Dokuments am 30. Mai 2022.

Wenn Ihnen auf dieser Seite ein Fehler oder eine Ungenauigkeit aufgefallen ist, so bitten wir um eine kurze Nachricht an