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Orgelpredigt

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a Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739)

Einführung in die Edition

Die Orgelpredigt

Nach zwei früher entstandenen Orgelpredigten – einer lutherischen von Lc PredigtautorSchelwig, Samuel (1643–1715) Samuel Schelwig und einer reformierten von Lc PredigtautorSostmann, Alexander (1684–1749) Alexander Sostmann – ist dies das dritte bekannte Beispiel dieser Gattung, das aus Le Geographicumf Ort: Danzig Danzig stammt.[1] Lc PredigtautorKeltz, Heinrich (1689–1761) Heinrich Keltz hielt seine Predigt für die neue Ld OrgelDanzig, Salvatorkirche, Andreas Hildebrandt-Orgel 1738 Orgel, die die Le Geographicumg Gebäude: Danzig, Salvatorkirche Salvatorkirche 1738 erhalten hatte. Das Instrument war aus den Mitteln einer Stiftung des Kaufmanns Lb PersonWalter, Ephraim (vor 1737) Ephraim Walter finanziert worden.[2] Bernhard Meyer berichtete zu Anfang des 20. Jahrhunderts, dass eine am Orgelchor angebrachte Tafel an diese Stiftung erinnerte.[3] Eine genauere Beschreibung liefert Willi Drost, der den Zustand des Kircheninneren vor dem Lm Ereignis1939–1945: Zweiter Weltkrieg Zweiten Weltkrieg festgehalten hat. An der Orgelempore über dem Eingangsportal der Kirche, das bei diesem Bau ungewöhnlicher Weise nach Osten blickt,[4] befand sich eine Brüstung mit Gittern und Türen, die mit verschiedenen Initialien verziert waren. Darunter war auch die erwähnte Tafel:

In der Mitte der unteren Behangskante ovales Medaillon mit der Inschrift in Fraktur: »Zu diesem Orgel Bau hat der E. Ephraim Walter Weyl. wohlverdienter Vorsteher der Kirchen St. Salvator und des Hospitals zu St. Gertrudt Drey Tausend Floren vermacht. Sein Gedächtnis bleibe im Seegen Anno 1738.«[5]

Außerdem stand über dem Spieltisch des Instruments in goldenen Buchstaben eine Inschrift, die die Namen von vier der auch als Widmungsträger des Orgelpredigtdrucks fungierenden Kirchenvorsteher festhält: Anno 1738. d 31 Aug: waren bey Vollendung dieses Orgel-Baues folgende Vorsteher Heinrich Zernecke. Gabriel Gottfried Schumann. Gottfried Reyger. Carl Ludwig Schumann.[6] Darüber hinausgehend scheint über den Orgelbau nichts bekannt zu sein. Auch über die kirchenmusikalische Praxis in dieser kleineren Gemeinde gibt es im einschlägigen Buch von Hermann Rauschning keinerlei Information.[7] So können hier nur einige inhaltliche Aspekte genannt werden, die diese Predigt kennzeichnen.[8]

Vorangestellt ist der Kanzelrede die Schlussstrophe des Liedes Lw Musikwerkanonym: In dulci jubilo M In dulci jubilo, auf die der Prediger im Verlaufe seiner Ansprache immer wieder zurückkommt, sodass die Orgelpredigt deutliche Anleihen an die beliebte Gattung der Liedpredigt macht.[9] Nicht nur der Titel Billige Orgel=Freude greift das Stichwort der Freude aus der Anfangszeile der zitierten Liedstrophe Ubi sunt gaudia auf. Auch als Beschluss der Predigt zitiert Keltz die 3. Strophe des Liedes Lw Musikwerkanonym (nach Hans Sachs): Wachet auf, ruft uns die Stimme M Wachet auf, ruft uns die Stimme, in der die Freude beim Musizieren der Engel im himmlischen Jerusalem mit ganz ähnlichen Worten ausgemalt wird.[10]

Keltz verbindet dieses Thema mit gelehrten Erläuterungen zur Herkunft des bekannten Kirchenliedes. Gleichzeitig aber rückt er das so oft beschworene Bild von der Musik als einem Vorschmack himmlischer Seeligkeiten, die der Gläubige ganz besonders in dieser Kunstform erahnen könne, hier noch einmal in den Mittelpunkt, wie er auch in verschiedenen anderen Punkten einem lang tradierten Kanon von Zitaten, Argumenten und Denkfiguren folgt. Im Blick hatte er dabei offenbar weniger kunstvolle Kantaten, als vielmehr den gemeinschaftlichen Gesang der Gemeinde, der jedoch von der Orgel gestützt und geleitet werden sollte.[11] Der Orgel kam dabei die Aufgabe zu, die Gläubigen durch ein Vorspiel auf das gemeinsame Singen einzustimmen: So bald praeambuliret, und die Melodie eines schönen Liedes praeludiret wird, sollen sie sich mit Andacht zum Gesange praepariren [...].[12] Diese nicht nur musikalische, sondern auch innerliche, geistliche Vorbereitung auf das zu singende Lied war ein wichtiger Aspekt, auf den lutherische Theologen in dieser Zeit hinwiesen, wenn es darum ging, die noch nicht überall praktizierte Verbindung des Gemeindegesangs mit der Orgel zu propagieren. Zu überwinden waren Befürchtungen, dass theologisch ungebildete, ungläubige oder durch andere Gedanken abgelenkte Menschen im Gottesdienst zu Trägern des Gotteslobes werden könnten, das dadurch in seiner Reinheit gefährdet wäre.[13]

Keltz verteidigt diese Verwendung der Orgel insbesondere gegen die Position Lb PersonArnold, Gottfried (1666–1714) Gottfried Arnolds, dessen Schriften offenbar in pietistisch-schwärmerischen Kreisen noch immer große Wirkung entfalteten und eine Stimmung schürten, die der Anschaffung kostspieliger, prunkvoll wirkender Kirchenorgeln abträglich war. Die vorliegende Orgelpredigt belegt die Notwendigkeit, den Bau des Instruments gegenüber Zweiflern zu rechtfertigen, und trägt so einen Baustein zur noch wenig erforschten Rezeption radikalpietistischen Gedankenguts in dieser historischen Phase bei.[14]

Aus dem Sonntagsevangelium entwickelte Keltz ausgehend von dem Satz Ly BibelstelleLukas 10,24 Viel Propheten und Könige wolten sehen, das ihr sehet, und habens nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und habens nicht gehöret eine Apologie des leiblichen Anschauens und Anhörens[15]. Es sei den Gläubigen auch gestattet nebst den innerlichen Schönheiten ihres Gottes=Dienstes auch ihre leibliche Augen und Ohren an den äusserlichen Schönheiten desselben [zu] ergötzen[16]. Freude, Ergötzung, die von den durch Kunstgenuss erzeugten sinnlichen Eindrücken hervorgerufen werden, verweisen auf die himmlischen Freuden, die als Gipfel der Schönheit charakterisiert werden:

Du hörest, und hast schon gehöret das liebliche Zustimmen der hellen Orgel=Pfeiffen bey deinem Singen und Loben Gottes. Alles ist erfreulich anzusehen und anzuhören. Dencke denn dabey an den ewigen Himmels=Tempel, oder an die seelige Himmels=Stadt/ deren Thore von silber=weissen Perlen/ die Gassen von Gold/ und ihr Licht und Farbe gleich dem alleredelsten Stein/ einem hellen Jaspis ist/ nach des Heil[igen] Geistes selbst=eigenem Entwurff; und wo die heiligen Engel und Auserwehlten auf himmlische Art ewig vor Gott singen, spielen und musiciren: Dencke, daß daselbst alles unaussprechlich viel erfreulicher wird anzusehen und anzuhören seyn, und freue dich denn hier im Vorspiel um so viel mehr, und sorge dabey, daß du auch einmahl einkommen mögest in diese deines Herrn Freude.[17]

Neben dem Klang von Gesang und Instrument bezieht Keltz auch ganz gezielt den visuellen Aspekt mit ein. Perlweiß und Gold, die er hier als Farben des himmlischen Jerusalem nennt, hebt er auch als Farben des Orgelprospekts hervor, wo überdies musizierende Engel wiederkehren.[18] Konzeptionell sowie in ihrer rhetorischen Anlage und Ausgestaltung weist diese Predigt so eine bemerkenswerte innere Einheit auf.

Quellenbeschreibung

Von Heinrich Keltz’ Predigt gibt es nur eine Ausgabe – den 1739 von dem Le Geographicumf Ort: Danzig Danziger Drucker und Verleger Lb PersonSchreiber, Thomas Johann (vor 1724 – 1778) Schreiber besorgten Druck.[19] Als Quelle für die Edition dient das Exemplar in der Russischen Staatsbibliothek in Le Geographicumf Ort: Moskau Moskau.[20]

Es handelt sich um einen Druck im Quartformat. Er besteht aus 36 Seiten. Die ersten vier Seiten sind gezählt, aber unpaginiert. Die erste Seitenzahl (5) wird bei Beginn der Vorrede verwendet. Das Werk umfasst viereinhalb Druckbögen mit der Signaturformel A–E2.

Der Druck ist insgesamt äußert schlicht gestaltet. Lediglich auf der letzten Druckseite befindet sich als Verzierung eine Schlussvignette.

Ab Seite 5 bis zum Ende des Drucks wird ein einheitlicher Kolumnentitel verwendet, der den Haupttitel des Werks auf zwei Seiten verteilt: auf den geraden Seiten Die billige Orgel=Freude einer evangelischen Gemein, auf den ungeraden Seiten bey einem neuen Orgel-Werck. Im Druck selbst gibt es daneben mehrere Untergliederungen. Es ergibt sich folgender Aufbau:

  • [Widmung] S. [2–4]
  • Vorrede. S. 5–9
  • Text. S. 10–11
  • Eingang. S. 11–15
  • Der billigen Orgel=Freude einer Evangelischen Gemeinde bey einem neuen Orgel=Werck. Abhandlung. S. 15–36.

Wie es zu dieser Zeit in Predigtdrucken üblich war, finden sich Literaturhinweise und Erläuterungen zum Text in Fußnoten am unteren Seitenrand. Die Anmerkungen sind mit Buchstaben versehen und bilden eine durchgehende alphabetische Reihe von (a) bis (u). In der digitalen Edition erscheinen sie analog dazu am Ende der jeweiligen Seite, optisch abgegrenzt durch eine Trennlinie. Die Nachweise der zitierten Bibelstellen, die im Druck am Rand als Marginalien geführt sind, werden in der Edition am rechten Seitenrand dargestellt.

Als typographische Besonderheit des Druckbildes fällt auf, dass im normalen Text auch im Bereich der Frakturschrift bereits die moderneren Kommata verwendet werden. Für Zitate von Bibelstellen benutzte der Drucker jedoch noch die alte Virgel, offenbar aus Respekt vor dem kanonischen Text. Diese Unterscheidung wird auch in der Edition beibehalten. Durch Fettdruck werden in der Vorlage außerdem Zitate und manche inhaltlich wichtigen Begriffe hervorgehoben. Die Edition verwendet hier stets eine einheitliche Schriftform. Sämtliche ermittelte Zitate werden entsprechend den Editionsrichtlinien ausgezeichnet und belegt. Sie erscheinen kursiviert.

Lucinde Braun

Einzelanmerkungen

  1. Vgl. Christliche Orgel-Predigt (Danzig s.a.); Stimme des Predigers (1737). Siehe ausführliche zur Gruppe der Danziger Orgelpredigten, Kociumbas, Danzig als Zentrum der Orgelpredigt (2022).
  2. Vgl. Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739), S. 34f.
  3. Vgl. Meyer, Die evangelische Kirche zu Sankt Salvator [o. J.], S. 5.
  4. Siehe die Abbildung, Drost, Kunstdenkmäler der Stadt Danzig (1959), S. 264.
  5. Drost, Kunstdenkmäler der Stadt Danzig (1959), S. 268.
  6. Drost, Kunstdenkmäler der Stadt Danzig (1959), S. 268. Vgl. dazu die Angaben in Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739), S. [3].
  7. Vgl. etwa die Übersichten über Kirchenmusiker, Rauschning, Geschichte der Musik und Musikpflege in Danzig (1931), S. 420-422.
  8. Siehe zum Inhalt der vorliegenden Predigt auch, Kociumbas, Danzig als Zentrum der Orgelpredigt (2022).
  9. Siehe als Überblick zu dieser Predigtgattung: Rössler, Die Liedpredigt (1976).
  10. Vgl. Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739), S. 36.
  11. Siehe entsprechende Aussagen, Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739), S. 13, 20.
  12. Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739), S. 24.
  13. Vgl. ausführliche Überlegungen zu diesem Problem, Lilienthal, Des Singens Vernünfftiger Gottes-Dienst (1723), S. X-XIII.
  14. Vgl. Schunka, Deutsche Protestantismen um 1700 (2019), bes. S. 510f.
  15. Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739), S. 16.
  16. Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739), S. 18.
  17. Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739), S. 20f.
  18. Vgl. Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739), S. 27f.
  19. Thomas Johann Schreiber betrieb von 1724 bis zu seinem Tod 1778 eine Druckerei in Danzig. Vgl. https://www.gedanopedia.pl/index.php?title=SCHREIBER_THOMAS_JOHANNES
  20. Für die Vermittlung von Scans dieser Quelle und die sorgfältige Beschreibung des Exemlars auf dieser Website danke ich Evgeny Vorobyov sehr herzlich. Das Exemplar in Le Geographicumf Ort: Krakau Krakau konnte nicht eingesehen werden. Die frühere Existenz eines Exemplars in Danzig ist ebenfalls belegt, vgl. Kociumbas, Danzig als Zentrum der Orgelpredigt (2022), gestützt auf die Angabe in Meyer, Die evangelische Kirche zu Sankt Salvator [o. J.], S. 5. Für die freundliche Übersendung eines Scans des letztgenannten Büchleins danke ich Frau Edith Müns, Universitäts- und Stadtbibliothek Köln.

Exemplare

Moskva, Rossijskaja Gosudarstvennaja biblioteka (RUS-Mrg): Konigsberg Weinreich 1524 4° Briessmann

Beschreibung

Das Moskauer Exemplar von Keltz’ Orgelpredigt befindet sich in einem Predigtkonvolut mit insgesamt 32 Predigten. Der Band besitzt einen Halbledereinband mit marmoriertem Papier, der höchstwahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert stammt. Auf dem Buchrücken steht oben die Aufschrift Conciones | Miscellanea | 5. Im unteren Bereich des Buchrückens ist ein Etikett mit einer alten Signatur aufgeklebt: Ha | 175. Im vorderen Inneneinband befindet sich ein eingeklebtes Exlibris. Es zeigt ein Wappen, unter dem folgender Text steht: Ex Bibliotheca | VALENTINI SCHLIEFF | Gedani..[1]

Auf der vorderen Innenseite des Einbandes gibt es außerdem mehrere bibliothekarische Vermerke: XX. B.y. 266 und H a 175 (durchgestrichen). Die mit Bleistift eingetragene Signatur | C-217651 scheint älter zu sein; sie ähnelt Signatur-Einträgen aus der Sammlung Lb PersonSchlieff, Valentin (1680–1750) Valentin Schlieffs, die sich in der Stadtbibliothek Le Geographicumf Ort: Danzig Danzig erhalten haben. Sie wurde von den Mitarbeitern der Russischen Staatsbibliothek um eine Angabe des ersten und letzten enthaltenen Drucks ergänzt: Königsberg | Weinreich | 1524 | 4° Briessmann, Ioh | [1-ая книга: Statius, M; 1620.].

Gründlich dokumentiert wurde die Inbesitznahme durch die Russische Staatsbibliothek. Jede letzte Seite eines enthaltenen Drucks trägt den Stempel Государственная | библиотека | СССР | им. В. И. Ленина. Außerdem erhielt jedes Werk auf der letzten Seite eine Inventarnummer. Diese reichen von Инв. MK VI – 1196 bis Инв. MK VI – 1227 (Bleistift) und von И 15786-80 bis И 15817-80 (blaue Tinte). Zehn weitere Stempelabdrücke wurden überdies weitgehend gleichmäßig im Inneren des Bandes verteilt.

Auf dem ersten Vorsatzblatt wurde ein handschriftliches Inhaltsverzeichnis in deutscher Sprache angelegt. Es zählt 30 Titel auf. Dabei wurde Martinus Schmechelius’ Ander Theil | Der Christlichen | Geistlichen Rustkammer nicht als eigenes Werk gezählt. Die beiden Drucke von Laymarius erhielten die Nummern 24a und 24b. Aus diesem Grund differiert die Menge der Werke gegenüber der modernen Zählung, die auf 32 Titel kommt.

Die Werke selbst besitzen eine einheitliche historische Nummerierung, die in Anlehnung an das handschriftliche Inhaltsverzeichnis von 1 bis 30 reicht. Sie erscheint am unteren Rand unter den Druckerangaben mittig auf den Titelblättern als kleine Zahl in schwarzer Tinte. Lc PredigtautorKeltz, Heinrich (1689–1761) Heinrich Keltz’ La OrgelpredigtDie Billige Orgel-Freude (Danzig 1739) M Orgelpredigt trägt an der genannten Stelle die Nummer 2.. Außerdem erhielt das gesamte Konvolut eine moderne bibliothekarische Nummerierung mit Bleistift. Sie erscheint auf den Titelblättern oben rechts und enthält hinter der Zahl jeweils den kyrillischen Buchstaben Э. Auf dem Titelblatt der Orgelpredigt steht so: 2 | Э. Auf der letzten Druckseite dieses Werks finden sich die obligatorischen bibliothekarische Vermerke der Russischen Staatsbibliothek. In der Mitte des unteren Randes steht in Bleistift die Inventarnummer: Инв. МК VI – 1197. Daneben ist ein Stempel mit der Aufschrift Государственная Библиотека СССР им. В. И. Ленина (lückenhafte Druckstellen ergänzt) und der in Bleistift notierten Zeichenfolge И 1578790. Darüber hinaus weist die Predigt keine handschriftlichen Zusätze auf. Auch insgesamt enthält der Band nur kleinere Nutzerspuren (Werke Nr. 1, 10, 12, 19, 22, 25, 31, 32). Eine Ausnahme sind die handschriftliche Ergänzung M. Gotlieb Bormann sowie weitere Informationen über den Autor auf dem Titelblatt von Nr. 9.

Provenienz

Das Predigtkonvolut wurde im Jahr 1980 von der Russischen Staatsbibliothek erworben. Der Stempel auf dem ersten Blatt des ersten enthaltenen Werks zeigt, dass es früher im Besitz der Stadtbibliothek Danzig war. Der Erstbesitzer lässt sich aufgrund des Exlibris im Inneneinband feststellen. Der Band gehörte dem Danziger Patrizier Valentin Schlieff, der eine berühmte Polonica-Sammlung besaß. Teile seiner großen Bibliothek übernahm nach seinem Tod die Danziger Stadtbibliothek (heute: Danziger Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften / Biblioteka Gdańska Polskiej Akademii Nauk).[2]

Valentin Schlieff vereinte in dem Band Kasualpredigten sowie einige historische Texte verschiedenster Autoren, zu unterschiedlichen Themen und aus einem Zeitraum zwischen 1524 (Nr. 30) und 1741 (Nr. 4). Dafür griff er auf alte Bestände zurück. Lb PersonMalina, Jan (ca. 1620 – ca. 1672) Johannes Malinas Lityaniae excidium beispielsweise besitzt eine zusätzliche handschriftliche Paginierung, die die Seitenzahlen 486 bis 506 umfasst. Die Aufschrift Conc. 60 sowie zwei weitere Werknummern auf dem Titelblatt (29 und eine durchgestrichene 13) zeigen, dass dieser Druck verschiedene Vorbesitzer hatte, ehe er Schlieff in die Hände fiel. Die Titelangabe Miscellanea deutet darauf hin, dass er in dem Konvolut anderweitig nicht einzuordnende Miszellen unterbrachte, die er lediglich nach dem Prinzip der Autorschaft gruppierte. Die vier Predigten des Danziger Pfarrers Lb PersonWeickhmann, Joachim (1662–1736) Joachim Weickhmann sind so hintereinander angeordnet. Im weitesten Sinne besitzen die Predigten einen Bezug zum Ostseeraum und fallen so unter das regional definierte Sammlerinteresse Valentin Schlieffs.

Die Hälfte der in dem Konvolut durch Schlieffs Bemühungen erhaltenen Kasualschriften sind nach heutigem Kenntnisstand Unica, soweit sie nicht noch in polnischen Bibliotheken ermittelt werden können. Der größte Teil stammt von Danziger Druckern (Nr. 2–3, 13–17, 21, 24), einige wurden in Le Geographicumf Ort: Königsberg (Preußen) Königsberg (Nr. 22, 27–28), in Le Geographicumf Ort: Thorn Thorn (Nr. 23), aber auch in Le Geographicumf Ort: Zerbst/Anhalt Zerbst (Nr. 9) und Le Geographicumf Ort: Altenhain Altenhain (Nr. 11) gedruckt.

Enthaltene Werke
  1. Martin Statius, Einfeltige und Christliche Prob unnd AnzugsPredigt In der Johannis Kirchen in Danzigk / den 27. Octobris, und 24. Decembris, Anno 1617, respective gehalten, Wittenberg: Richter/Helwig, 1620 | VD17 23:329461C
  2. Heinrich Keltz, Die Billige Orgel=Freude einer Evangelischen Gemeine bey einem neuen Orgel=Werck, Danzig: Schreiber, 1739 | VD18 deest; Unicum
  3. Johann Daniel Unselt, Verherrlichung GOTTes als das Haupt=Geschäffte der Gläubigen, Danzig: Schreiber, [1740] | VD18 deest; Unicum
  4. Hermann Bordewisch, Tauf=Rede bey der Tauffe eines MOHREN der Michael Gottlieb genennet worden und nach der Tauffe den Zunahmen Muley bekommen, Danzig: Schreiber, [1741] | VD18 12937991
  5. Joachim Weickhmann, Abschieds=Antritts= und Genesungs=Predigt / Deren die erste in Schmiedeberg / die beyden andern in der Hoch=Furstlichen Schloss=Kirchen zu Zerbst gehalten, Wittenberg: Schultze, [ca. 1694] | VD17 deest; 2. Ex. Halle, Franckesche Stiftungen
  6. Joachim Weickhmann, Wahrhaffter Bericht Von der Christlichen Zubereitung / auch erfolgtem seligen Tode Hn. Johann Schuders, Leipzig: Lanckisch, 1701 | VD18 10385193
  7. Joachim Weickhmann, Dreyfaches Jüden=Bekändtniss, Leipzig: Lanckisch, 1703 | VD18 11291478
  8. Joachim Weickhmann, D. Joachim Weickhmans treugemeinter und beweglicher Zuspruch An seine In Christo Jesu geliebteste Gemeine in Zerbst, Leipzig: Lanckisch, 1703 | VD18 10481443
  9. Gottlieb Bormann, Himmel und Hölle nach dem Tode, Zerbst: Göcking, [1740] | VD18 deest; Unicum
  10. Johann Heinrich Stolle, Ēl lemôs̆ʿôt: Der Gott vieler Hülffen, Leipzig: Götze, 1707 | VD18 deest; 2. Ex. UB Halle
  11. Johann Heinrich Stolle, Die Andere Predigt von Bösen Zeiten, Altenhayn: [1713]| | VD18 deest; Unicum
  12. Jacobus von Barten, Christliche und gotselige gedancken gebetsweise verfasset, Danzig: Rhode, 1564 | VD16 ZV 1042
  13. Peter Richter, Ein Christliches und Andechtiges Gebeth / und bewertes Recept, Danzig: Rhete, 1624 | VD17 deest; Unicum
  14. Peter Richter, Ein gemeines / Christliches und Andechtiges Gebet zu Gott, Danzig: Rhete, 1624 | VD17 deest; Unicum
  15. Martinus Schmechelius, Christlicher Seelen-Trost: Genommen aus der Geistlichen Schatz= und Rüstkammer der H. Göttlichen Schrifft, Danzig: Rhete, 1638 | VD17 deest; Unicum
  16. Martinus Schmechelius, Ander Theil / Der Christlichen / Geistlichen Rustkammer / vorgenommenen Gebett Buchs, Danzig: Rhete, 1638 | VD17 deest; Unicum
  17. Jan Salomo, Eine Bekäntnüss Im Christlichen heiligen Glauben, Danzig: Rhete, 1656 | VD17 deest; Unicum
  18. Ephraim Praetorius, Göttliche Sendung guter Hirten, Thorn: Nicolai, 1717 | VD18 11583223
  19. Ephraim Praetorius, Das Gott=gefällige Beicht=Kind So wohl Was es von der Beichte hält Als auch Wie es bey der Beichte sich verhält, Wittenberg: Gerdes, 1721 | VD18 deest; 2. Ex. Halle, Franckesche Stiftungen
  20. Johann Rechenberg, Das mit dem Bilde Christi ähnliche Bild eines Predigers, Thorn: Nikolai [1717] | VD18 deest; 2. Ex. Warschau Biblioteka Narodowa
  21. Cyriacus Martini, Coena Domini Des Herren Abendmahl, Danzig: Rhete, 1662 | VD17 deest; Unicum
  22. Michael Specovius [Specovio], Die Lob=Rede des Volcks Von Jesu, Königsberg: Königl. Preuss. Hof-Buchdruckerei, 1722 | VD18 deest; Unicum
  23. Sigismund Weyss, Prodromus magistratus Brodnicensis, Das ist: Eine Christl. Predigt gegen der herannahenden […] Election Eines Neuen Praesidirenden Bürger=Meisters, Thorn: Cöpsel, [1674] | VD17 deest; Unicum
  24. Constantinus Gottlieb Gödtke, Das / dem heiligen Gott / Von der Schadwaldischen Kirchen=Gemeine / Bey Dem Beschluss einer geseegneten Ernte / gebrachte demüthige Danck=Opffer, Danzig: Müller, 1716 | VD18 deest; Unicum
  25. Anton Laymarius, Formula In Sacris Nostris Augustanae Conessioni fideliter ubiq[ue] consentaneis, Danzig: Rhetius, [1666] | VD17 3:673391P
  26. Anton Laymarius, Actus Baptismatis Privato-Publicus, Danzig: Rhetius, 1666 | VD17 3:673396B
  27. Johannes Malina, Litvaniae excidivm Das ist eine Christl. Buss=Predigt Von der kläglichen / durch den Moscowiter im Jahr 1655. den 8. Augusti geschehnen Eroberung der Königl. Residentz und Häuptstadt Wilna, Königsberg: Pasch/Mense, 1655 | VD17 deest; Unicum
  28. Johannes Baasel, Viertzigtägiger Untergang Der Stadt Ninive, Königsberg: Reusner, 1683 | VD17 deest; Unicum
  29. Jacob Fridrich Bankau, Die bekandte Gottes Kinder / An dem erfreulichen Geburts=Tage […] Herrn Ewald von der Osten / genannt Sacken, s.l., 1713 | VD18 deest; Unicum
  30. Johannes Briessmann, Ein Sermon von dreyerley heylsamer Beycht, Königsberg: Weinreich, 1524 | VD16 B 8302
  31. Silvester Lürsenius, Christliche Inweihung Der ersten Evangelisch=Reformirten Pfarr=Kirchen in der Königlichen Stadt Königsberg, Königsberg: Friedrich Reusners Erben, 1701 | VD18 10135138-001
  32. Johann Berg, LandtagsPredigten / Auff dem Churfürstl. Hause zu Marienwerder In Preussen, Berlin: Guth, 1626 | VD17 1:086725Y

Evgeny Vorobyov (Redaktion: Lucinde Braun)

Kraków, Muzeum Narodowe w Krakowie. Biblioteka Książąt Czartoryskich (PL-Kc): 27973 II

Ein zweites Exemplar der Orgelpredigt wird in der Bibliothek der Fürsten Czartoryski aufbewahrt.[3] Den Hinweis darauf gab folgender bibliographischer Eintrag: Keltz Heinrich. […] c Die billige Orgel-Freude von …. Dantzig mit Schreiberischem Verlag und Schriften 1739. w 4ce, ark. E2. Czartor.[4]

Für die Überprüfung dieser Angabe und die Ermittlung der Signatur danken wir Dr. habil. Piotr Kociumbas sehr herzlich.

Einzelanmerkungen

  1. Eine Abbildung des Exlibris ist dokumentiert auf der Seite: https://www.graphikportal.org/document/gpo00004464
  2. Vgl. http://fabian.sub.uni-goettingen.de/fabian?Gdansk.
  3. Siehe die bibliographische Beschreibung und eine Abbildung des Titelblatts, Kociumbas, Danzig als Zentrum der Orgelpredigt (2022), hier S. 280f.
  4. Estreicher, Bibliografia staropolska, Bd. 19, S. 227, https://www.estreicher.uj.edu.pl/staropolska/indeks/wpis/?id=21613&offset=0&index=1 – Die Czartoryski-Bibliothek wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Lb PersonCzartoryski, Adam Kazimierz (1734–1823) Fürst Adam Kazimierz Czartoryski und seiner Ehefrau Lb PersonCzartoryska, Izabela (1746–1835) Izabela gegründet und befindet sich heute im Verbund des Muzeum narodowe in Krakau.

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Letzte Änderung dieses Dokuments am 11. Oktober 2022.

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