Icon

Orgelpredigt

Start → Predigten → Bilhuber, Johann Christoph: Winnedisches Reminiscere (Stuttgart 1740) → Volltext

a Bilhuber, Johann Christoph: Winnedisches Reminiscere (Stuttgart 1740)

Digitalisate

Folgende Digitalisate stehen zur Verfügung:

Schlagworte

Folgende Begriffe sind innerhalb dieses Textes ausgezeichnet:

r Quellen (1)

y Bibelstellen (64)

  • 150,6
  • 1 Chronik 24
  • 1 Chronik 25
  • 1 Chronik 26
  • 1 Korinther 14,7
  • 1 Samuel 16
  • 1 Samuel 17
  • 1 Timotheus 6,9
  • 2 Chronik 5,12–13
  • 2 Korinther 8
  • 2 Korinther 8,3
  • 2 Samuel 6
  • Amos 5,23
  • Epheser 4,3
  • Epheser 5,18–19
  • Epheser 5,19
  • Esra 3,10
  • Exodus 15
  • Exodus 15,1–2
  • Exodus 15,20
  • Exodus 15,21
  • Exodus 32,18–19
  • Galater 6,7–8
  • Genesis 4,21
  • Hebräer 10,24
  • Hebräer 10,25
  • Jakobus 3,10–11
  • Jesaja 38,20
  • Jesaja 44,21
  • Jesaja 57
  • Jesaja 57,15
  • Jesus Sirach 47,9
  • Kolosser 3,16
  • Kolosser 3,17
  • Lukas 2,14
  • Matthäus 6,1–2
  • Psalmen 104
  • Psalmen 105
  • Psalmen 106
  • Psalmen 107
  • Psalmen 136
  • Psalmen 136,1
  • Psalmen 137
  • Psalmen 137,2
  • Psalmen 147,1
  • Psalmen 150
  • Psalmen 150,1
  • Psalmen 150,1.3.5
  • Psalmen 150,1–5
  • Psalmen 150,2
  • Psalmen 150,3–4
  • Psalmen 150,3–5
  • Psalmen 150,6
  • Psalmen 20,2
  • Psalmen 20,3
  • Psalmen 27,4
  • Psalmen 40,6
  • Psalmen 41,2–4
  • Psalmen 95,7
  • Richter 11
  • Richter 5,12
  • Richter 5,2
  • Richter 5,3
  • Römer 13,12

[S. [1]]

Titel

Winnedisches Reminiscere,
Oder
Christliche
Orgel=Predigt,
Anno 1740. am Sonntag Reminiscere
in der Le Geographicumg Gebäude: Winnenden, St. Jakobus Kirche zu Le Geographicumf Ort: Winnenden Winneden gehalten/
Als das daselbst
Neu=erbaute/ aus 24. Registern bestehende
Ld OrgelWinnenden, Georg Friedrich Schmahl-Orgel 1740 Orgel=Werck,
Unter hertzlichem Gebet und Lob=Gesang/
feyerlich eingeweyhet wurde/
Aus dem Ly BibelstellePsalmen 150 150. Psalmen Lb PersonDavid (fl. 1000 v. Chr.) Davids,
Gott zu Ehren/ und dasiger Gemeinde
zu erbaulichem Angedencken gehalten/
Und hernach auf vielfältiges Begehren zum Druck überlassen,
Von
M. Lc PredigtautorBilhuber, Johann Christoph (1702–1762) Johann Christoph Bilhuber/
Stadt=Pfarrern Le Geographicumf Ort: Winnenden daselbst.
Le Geographicumf Ort: Stuttgart Stuttgart, Gedruckt bey Lb PersonMüller, Bernhard Michael (1702–1748) Bernhard Michael Müller.

[S. [2]]

Widmung

Meiner gesamten
Durch Jesum theuer erlößten Gemeinde/
Und in derselben sowohl denen
Vorstehern in dem Löbl[ichen] Obrigkeitlichen Stand/
in dem Hochfürstl[ichen] Le Geographicumg Gebäude: Winnenden, Schloss Schloß und Le Geographicumf Ort: Winnenden Stadt alhier/
Welche beedes durch Verweisung eigener Gutthätigkeit, und auch
durch Reitzung anderer hohen und niederen Gutthäter
Zu realer und mildthätiger Liebe,
Dieses neue Orgel=Werck
bestens befördert haben,
Als auch samtlichen meinen lieben Zuhörern/
ohne Unterscheid des Standes oder Beruffs/
in Stadt und Filialen/
Deren grössestem Theil ich nach der Wahrheit das Zeugniß
aus Ly Bibelstelle2 Korinther 8,3 2. Cor. 8. v. 3. ertheilen kan,
Eignet diese Predigt, zu Bezeugung einer hertzli=
chen Danck=Begierde, zu,
Unter eyfrigem wünschen und betten zu Gott,
Daß er dieselbe samt und sonders/ zu reichlicher Vergeltung
Jhrer freywilligen Liebe
Mit allerley leiblich= geistlich= und himmlischem Seegen
durch Christum überschütten/
Und uns alle künfftig
Durch dieses neue Orgel=Werck
Zu einem heiligen und Gott wohlgefälligen Lob des Allerhöchsten
ermuntern und erwecken lassen wolle.
Der Lc PredigtautorBilhuber, Johann Christoph (1702–1762) Auctor.

[S. 3]

I[n] N[omine] I[esu] C[hristi].

Prooemium.

Ly BibelstelleLukas 2,14 Ehre seye Gott in der Höhe! Friede auf Erden! Und den Menschen ein Wohlgefallen!

Andächtige und Geliebte in Christo!

Alß wir an dem heutig= dem Herrn geheiligten Sonntag, welcher der Zweyte in der heiligen Fasten= und Paßions=Zeit ist, und von den gottseeligen Alten den Nahmen Reminiscere von dem Anfang deß auf diesen Sonntag vormahls abgesungenen Ly BibelstellePsalmen 137 Psalmens führet, daß wir, sage ich, nicht, wie es sich geziemete, an demselben unsere Harpffen an die Weiden aufhängen,[1] und wie bißher geschehen, ein stilles Lied dem Höchsten zu Ehren, absingen, sondern mit einem fröhlichen Lob=Gesang, und Saiten=Spiel, unsere Hertzen zur Betrachtung Göttlichen Worts aufmuntern und erwecken, davon kan niemand unter uns allen die Ursache unbekannt und verborgen seyn.

Wir haben nemlich einer allhiesigen Christlichen Gemeinde, nachdem unser altes Orgel=Werck schon von geraumen Jahren her fast gantz unbrauchbar geworden, und deßwegen vor nun bald zweyen Jahren abgebrochen werden mußte, den Gebrauch unsers durch Gottes Gnade und Beystand, und durch freywillige Beysteuer Christlich und von Gott erweckter Gutthäter, neu gemacht und nunmehr vollendeten Ld OrgelWinnenden, Georg Friedrich Schmahl-Orgel 1740 Orgel=Wercks nicht länger entziehen, sondern dasselbe heute dem Drey=Einigen Gott zu seinem heiligen Dienst übergeben, und unter unserm zusammen=gesetzten Lob=Gesang, glaubigen Gebet, und andächtiger Betrachtung Göttlichen Worts, einweyhen und heiligen wollen und sollen.

Das solle nun heute und allezeit zu einem fröhlich= und danckbaren Reminiscere, oder vergiß mein nicht, unter uns angeschrieben und bewahret bleiben: Ja auch das Volck, das noch wird geschaffen werden, unsere Kinder und Kinds=Kinder, werden bey rein= und unverfälschter Predigt deß Evangelii an dieser Heil[igen] Stätte, als wir zu Gott wünschen und flehen, unter lieblichem Klang dieses Orgel=Wercks/ und andächtigem Lob=Gesang, den Herrn den Allerhöchsten fröhlich rühmen und preisen.

[S. 4]

So kommet dann herzu, Liebste Seelen! und vereiniget euere Hertzen aus der Zerstreuung in die Welt in die Stille vor Gott, kommet, daß wir dem Herrn frohlocken und jauchzen dem Gott unsers Heyls; daß wir mit Dancken vor sein Angesicht nahen, und mit Psalmen ihme jauchzen; Dann der Herr ist groß und hoch zu loben, ja Ly BibelstellePsalmen 95,7 er ist unser Gott, und wir das Volck seiner Weyde, und Schaafe seiner Heerde. Psalm 95. Weilen aber dieses nicht ein Werck ist unserer eigenen Kräfften, sondern hierzu des guten Heil[igen] Geistes Gnade, Krafft und Beystand wir so nöthig haben, so nöthig als der Wind zu Belebung unsers neuen Orgel=Wercks ist, als suchen wir diese Gnade von oben zuvor in einem andächtig= und demüthigen Gebet, und sprechen in dem Nahmen Jesu zuvor also miteinander: Allmächtiger etc.

Textus. Psalm. 150. v. 1-6.

Ly BibelstellePsalmen 150 Lobet den Herrn in seinem Heiligthum/ lobet ihn in der Veste seiner Macht. Lobet ihn in seinen Thaten/ lobet ihn in seiner grossen Herrligkeit: Lobet ihn mit Posaunen: Lobet ihn mit Psalter und Harpffen. Lobet ihn mit Paucken und Reigen/ lobet ihn mit Saiten und Pfeiffen. Lobet ihn mit hellen Cymbaln/ lobet ihn mit wohlklingenden Cymbaln. Alles was Odem hat/ lobe den Herrn/ Halleluja!

Exordium.

Wann wir nach unserer dißjährigen Lehr=Art, da wir zu verhoffender mehrerer Erbauung jedesmahl eine Biblische Geschichte aus dem Alten Testament, die sich zu dem Evangelischen Text schicklich anbringen lässet, erklären, auch heute also in unserer kurtzen Eingangs=Rede in das Alte Testament einkehren, und unsere Hertzen mit einem Historischen Wort Gottes andächtiglich erwecken wollen; So ist mir als ein Haupt=Grund zu unserer ferneren Christlichen Betrachtung beygegangen, wo ich unter der guten Hand Gottes einige Exempel von den Zeiten der Heil[igen] Ertz=Vätter, Lb PersonMoses Mosis des Mannes [S. 5] Gottes, Lb PersonJosua Josuä und der Richter, biß auf die Zeiten Davids, als davon hernach bey Erklärung des Textes das mehrere vorkommen wird, zusammen lesen würde, woraus zu erweisen stünde, daß dieselbe schon in ihren Tagen mit Psalmen und Lob=Gesängen den Allerhöchsten gepreiset und neben der Menschlichen Stimme auch schon mit allerhand Jnstrumenten, Gott zu Ehren, gesungen und gespielet haben.

So lesen wir zwar von den Heil[igen] Ertz=Vättern vor= und nach der Lm Ereignislegendär: Sintflut Sünd=Fluth nicht eben außdruckentlich, daß sie bey ihren opffern, und bey der Predigt von dem Nahmen des Herrn, also Vocaliter, oder auch Instrumentaliter, vor Gott gesungen, oder gespielet hätten; Jedannoch da schon von Lb PersonJubal Jubal, welcher zwar aus der Familie deß gottlosen Lb PersonLamech Lamech abstammete, zu seiner Zeit gesagt wird, daß von ihme herkommen seyen die Geiger und Pfeiffer,[2] eigentlich nach der Grund=Sprach, diejenige, die so wohl die schlagende, als vom Wind belebte Instrumenta tractiren, so ist wohl zu vermuthen, daß auch das Geschlecht der Frommen derselben nicht weniger zum Preiß Gottes sich werde bedienet haben, als die Familie der Gottlosen dieselbe ohne Zweiffel schon damahl, zu ihrem fleischlichen Wohlleben und Uppigkeit mißbraucht hat;[3] Wie es auch in andern Dingen gar offt geschiehet, daß was die Welt=Kinder aus ihrer Schuld und zu ihrem eigenen Verderben, mißbrauchen, aus eben demselben die liebe Kinder Gottes einen recht heilsam= und nutzlichen Gebrauch zum Preiß des Herrn, und zum Heyl der Seelen, machen können, und würcklich machen. Z[um] E[xempel]. Was kan einem gottlosen Reichen ehender zum Strick werden, daran seine arme Seele zuletzt erworgen muß, als eben zeitlich Geld und Gut, davon es heißt 1. Tim. 6. Ly Bibelstelle1 Timotheus 6,9 Die da reich werden wollen, fallen in Versuchung und Stricke, etc. Und doch ist am Tag, und sonderlich zu gegenwärtiger Zeit offenbar, was auch Freunde Gottes, die von demselben mit Vermögen im Zeitlichen geseegnet sind, zu Versorgung und Erquickung der Armen, damit vor einen herrlichen Nutzen auf die Zeit, und auch auf die Ewigkeit, schaffen können; Ly BibelstelleGalater 6,7–8 Dann was der Mensch säet, das wird er ernden; wer auf den Geist säet, in Liebe und Gutthätigkeit, der wird von dem Geist das ewige Leben ernden, Gal. 6. Und so von andern Exempeln zu reden. Und mithin wolte ich daraus, daß die erste Erfinder der Music, oder auch, die sie erstmahls tractirt haben, fleischliche Menschen gewesen, nicht eben wider die gantze Music, oder allen Gebrauch derselben, meines Orts ein übels Vor=Urtheil schöpffen, oder auch glauben, daß die fromme Ertz=Vätter, und insgemein das Geschlecht der Frommen, nicht auch mit äusserlicher Stimme und Instrumenten den Nahmen Gottes sollten besungen und verehret haben.

Doch dem sey wie ihm wolle, wie wirs dann nicht über die Wahrscheinlichkeit hinauf treiben wollen in unserm hierinn suchenden Beweiß, so ist doch das nicht zu läugnen, daß wir von einem Gottes=Dienst mit Singen und Spielen vor dem [S. 6] Herrn, das klar= und deutliche Zeugniß in der Historie Mosis, des treuen Knechts Gottes, nach dem Lm Ereignislegendär: Zug der Israeliten durch das Rote Meer Durchgang der Kinder Jsrael durchs rothe Meer Ly BibelstelleExodus 15 2. Mos c. 15. antreffen; Dann als der Herr sein Volck mit starcker Hand, und mächtigem Arm, endlich aus Le Geographicumh Territorium: Ägypten (Altertum) Egypten ausgeführet, Pharao aber, der König in Egypten, mit Wagen und Reutern über dem Nachsetzen in dem Le Geographicumi Gewässer: Rotes Meer rothen Meer jämmerlich ertruncken ware, so finden wir in dem angezeigten Capitel das vortrefflich schöne Lied Mosis, welches er mit den Kindern Jsrael angestimmet hat, und zwar also, daß seine Schwester die Prophetin Lb PersonMirjam Mirjam, mit den Jsraelitischen Weibern darzu die Paucke und andere Instrumenten geschlagen, und also den Mächtigen in Le Geographicumh Territorium: Israel Jsrael herrlich gepriesen hat; Jch will Ly BibelstelleExodus 15,1–2 dem Herrn singen, dann er hat eine herrliche That gethan, Roß und Wagen hat er ins Meer gestürtzet: Der Herr ist meine Stärcke und Lob=Gesang, ich will ihn preisen, er ist meines Vatters Gott, ich will ihn erheben,[4] etc. l[oco] c[itato] v. 1. 2. und Mirjam nahm darauf eine Paucke in ihre Hand, und alle Weiber folgeten ihr nach hinaus mit Paucken am Reigen, Ly BibelstelleExodus 15,20 vers. 20. Ob wohl übrigens nicht zu läugnen, daß der Mißbrauch eben dieses Singens und Spielens bald hernach bey dem Kälber=Dienst, recht zum entsetzen, bey den Jsraeliten seye offenbar worden, davon zu sehen Ly BibelstelleExodus 32,18–19 2. B. Mos. 32. vers. 18. 19.

Eine fast gleiche Geschichte treffen wir auch an in den Zeiten und Büchern der Richter, da nach einer herrlichen Erlösung eben dieses Volckes, durch Lb PersonDebora Deboram, die Prophetin und Richterin, aus der Hand der Feinde, vornemlich aber Lb PersonJabin Jabins, des Königs der Cananiter, der damahls durch Hülffe seines Feld=Hauptmanns Lb PersonSisera Sisserä die Jsraeliten 20. Jahr unterdrückt hatte, Lb PersonDebora Debora und Lb PersonBarak Barack ein herrliches Sieges= und Triumph=Lied vor dem Herrn und allem Volck abgesungen, und noch darzu mit allerhand Instrumenten lieblich gespielet haben; Ly BibelstelleRichter 5,2 Lobet den Herrn, also stimmen sie an B. Richt. c. 5. daß Jsrael wieder frey ist; Ly BibelstelleRichter 5,3 höret zu ihr Könige, und mercket auf ihr Fürsten, ich will dem Herrn singen, dem Gott Jsrael will ich spielen, Ly BibelstelleRichter 5,12 wohlauf, wohlauf Debora! wohlauf und singe ein Lied, etc. Darzu wir auch, um damit unser Beweißthum aus eben diesem Buch der Richter destomehr bekräfftiget werden möge, von der Music der Lb PersonJiftachs Tochter Tochter Lb PersonJiftach Jephtä, des streitbaren Helden in Jsrael, einen neuen Glauben hinzuthun, wann es von derselben in dem angezogenen Ly BibelstelleRichter 11 Buch der Richt. c. 11. heisset, daß als ihr Lb PersonJiftach Vatter wider den König der Ammoniter, als auch Feinde des Volcks Gottes, einen vollkommenen Sieg erhalten, und 20. Städte ihnen wieder abgenommen, die sie bereits occupiret hatten, so seye die Tochter ihrem Vatter entgegen gezogen mit Paucken und Reigen, um sowohl ihre als des Volcks Freude über dem Sieg auszudrücken, und vornehmlich den Allerhöchsten, als von welchem der Sieg alleine her kam, mit Dancken und Lob=Gesang zu erheben.

[S. 7]

Und solchen Gottes=Dienst mit Singen und Spielen auf allerley lieblichen Instrumenten vor dem Herrn, haben vornehmlich Lb PersonDavid (fl. 1000 v. Chr.) David und Lb PersonSalomo Salomo, die Könige in Jsrael, zu ihrer Zeit um so mehr in Gang und Ubung gebracht, als die Herrlichkeit des unter ihnen angefangen und vollendeten Le Geographicumg Gebäude: Jerusalem, Tempel Tempels ein solches zu der so wohl innerlich= als äusserlichen guten Einrichtung desselben nothwendig erforderte, daß also der Herr möchte gelobet werden in seinem Heiligthum, gelobet in seinen Thaten, gelobet in seiner grossen Herrlichkeit, und das zwar mit Posaunen und Harpffen, mit Saiten und Pfeiffen, mit Psaltern und Cymbelen,[5] etc. welches eben diejenige Worte Heil[iger] Schrifft sind, damit David der vorteffliche Psalmist und Sänger vor dem Herrn sein außerwähltes Psalter=Buch beschliesset, und bey deren schrifftmäßiger Erklärung wir heute unser neues Orgel=Werck in dem Nahmen des Drey=Einigen Gottes, zu dessen heiligem Dienst, Lob und Wohlgefallen weyhen und übergeben wollen, daß wir daraus Euer Liebe in aller möglichen Kürtze und Deutlichkeit vorstellen:

Das bey einem wohl eingerichteten Gesang und Kirchen=Music lieblich erschallende Lob Gottes; Wobey zu sehen

  • I. Auf den Ort/ oder auf die Wohnung/ darinnen
  • II. Auf die Materie und Jnnhalt/ darüber
  • III. Auf die Stimmen und Instrumenten/ dardurch es also lieblich erschallen solle.

Und so singet man dann heute mit Freuden von dem Sieg und Lob des Herrn in den Hütten der Gerechten, und vornemlich auch darüber, daß unter seinem gnädigen Beystand mit unserm neuen Orgel=Werck es uns dergestalt gelungen, daß ohnerachtet so mancherley Hindernissen, die sich inzwischen offt in den Weg geleget haben, wir nun solches würcklich auf diesen Tag erstmahls hören und gebrauchen können. Ach Herr Jesu! laß uns allesamt heute und allezeit in deinem Hause lebendige Orgeln seyn und bleiben,[6] die der Heilige Geist zu einem lieblich und vor dir wohlgefälligen Lobgesang erwecke und belebe, damit wir singen und spielen dem Herren allermeist in unsern Hertzen,[7] und alles was wir thun mit Worten und Wercken, geschehe zur Ehre deines allerpreißwürdigsten Namens,[8] damit fürohin was Athem hat mit einem frohen Halelluja dich lobe und verehre![9]

Lw MusikwerkAnonym: Lobe den Herren den mächtigen König Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Nahmen!
Alles was Athem hat, lobe mit Abrahams Saamen:
Er ist dein Licht,
Seele! vergiß es ja nicht,
Lobende schliesse mit Amen.
[10]

[S. 8]

Tractatio.

Wann wir also schon angezeigter massen aus dem Beschluß der Psalmen Davids mit Euer Liebe heute handlen wollen Von dem bey einem wohl eingerichteten Gesang und Kirchen=Music lieblich erschallenden Lob Gottes:

So sehen wir Erstlich auf den Ort, oder Wohnung, wo solches vornemlich erschallen und getrieben werden solle, als einen Haupt=Umstand unsers vor Augen liegenden Textes, und dermahlen vorhabender Andacht. David der Königliche Psalmist beschreibet diesen Ort als das Heiligthum Gottes, und als die Ly BibelstellePsalmen 150,1 Veste seiner Macht: Lobet Jhn, sagt er, in seinem Heiligthum[11] etc. Die gantze Vorstellung in diesen Worten, wie leichtlich zu erachten, ist hergenommen von dem Levitischen Gottes=Dienst des Alten Testaments, da der Mosaische Tabernackel, oder die so genannte Hütte des Stiffts, zu erst, und hernach der zu des Königs Lb PersonSalomo Salomons Zeiten erbaute vortreffliche Le Geographicumg Gebäude: Jerusalem, Tempel Tempel, mit dem eigentlichen Nahmen das Heiligthum Gottes hiessen; Jn welchem Verstand dieses Wort auch vorkommt sowohl in dem 20. Psalmen Davids, da fromme Unterthanen vor ihren König also wünschen: Ly BibelstellePsalmen 20,2 Der Herr erhöre dich in der Noth etc. Ly BibelstellePsalmen 20,3 Er sende dir Hülffe vom Heiligthum, d[as] i[st] von dem Ort seiner heiligen Wohnung, da der Herr seine Gegenwart figürlich geoffenbaret hatte; welches figürliche Heiligthum David nach Ly Bibelstelle2 Samuel 6 2. Sam. 6. auf seine Königliche Le Geographicumg Gebäude: Zion Burg Zion hatte bringen lassen: als auch in dem Propheten Esaia c. 57. u. 15.[12] Da Ly BibelstelleJesaja 57,15 also spricht der Hohe und Erhabene, der ewiglich wohnet, und dessen Nahme heilig ist, ja der in der Höhe und dem Heiligthum wohnet, d[as] i[st] der seine Wohnung, menschlicher Weise davon zu reden, hat in dem uns unbegreifflichen Himmel der Herrlichkeit, und zu Lb PersonJesaja Jesaiä Zeiten in dem Tempel das Allerheiligste zum figürlichen Thron über der Bundes=Lade eingenommen hatte, und dannoch nach seiner grossen Gnade und Barmhertzigkeit auch wohnen will bey denen, so zerschlagenes und demüthiges Geistes sind, daß er erquicke den Geist der Gedemüthigten, und das Hertz der Zerschlagenen:[13] Und was noch andere mehrere Stellen sind, die hier in grösserer Menge könnten zusammen gelesen werden. Es erhellet aber daraus schon genugsam, daß David der Mann, lieblich in Psalmen und Saiten=Spiel gleich Anfangs in unserm Text das zum Grunde setze, daß das Lob des Drey=Einigen Gottes, bey einem wohl eingerichteten Gesang und Music, vornemlich erschallen solle in dem Hause des Herrn, in der Hütte des Stiffts, und auch hernach im Tempel, da die Ehre und Herrlichkeit des Allerhöchsten wohnet, an dem Ort, da er seines Nahmens Gedächtnuß gestifftet, und versprochen hat, sein Volck zu seegnen. [S. 9] Darum wünscht er auch so sehnlich in seinem 27. Psalmen in diesem Heiligthum Gottes bleiben zu können, all sein Lebenlang: Ly BibelstellePsalmen 27,4 Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möchte etc.

Wie dann, da er selber ein vortrefflicher Musicus ware, der zu den Zeiten Lb PersonSamuel Samuels mit den so genannten Propheten=Kindern in den Propheten=Schulen allem Ansehen nach, darzu unterrichtet, und durch sonderbahre Regierung Gottes zu einer solchen Fertigkeit in der Vocal- und Instrumental-Music gebracht worden, daß ers darinnen allen andern leichtlich vorgethan, wie wir sonderlich aus Ly Bibelstelle1 Samuel 16 1. Sam. c. 16. u. Ly Bibelstelle1 Samuel 17 17. schliessen mögen, da er um dessentwillen vor allen andern an den Hof des Königs Lb PersonSaul (fl. 1000 v. Chr.) Sauls gezogen wurde, er auch viele andere vom Volck, sonderlich von dem Stamm Levi mit seinem Exempel nach sich gezogen, also daß die Anzahl der Musicanten unter den Leviten so groß geworden, daß, als David nach Göttlicher Eingebung den Levitischen Gottesdienst in bessere Form und Einrichtung bringen wollte, er aus den Leviten, vier tausend Musicos verordnete, und sie unter gewissen Aufsehern und Capellmeistern in ihre Ordnungen theilete, also daß auf jeden Tag eine gewisse Anzahl, zum wenigsten von 12. Personen, nach den 12. Stämmen des Volcks bestimmet, und demnach die Vocal- und Instrumental-Music ein vornehmes Theil des Levitischen Gottes=Dienstes war, davon vornemlich in dem Ly Bibelstelle1 Chronik 26 1. Buch der Chron. c. 26.[14] welches die Aufschrifft hat: Lr QuellenBiblia (1741) M Ordnung der heiligen Sänger/[15] nachzusehen, auch in eben diesem Ly Bibelstelle1 Chronik 24 1. Buch der Chron. 24. u. Ly Bibelstelle1 Chronik 25 25. da ausdrückentlich von 4000. Lobsängern des Herrn mit Saiten=Spielen, die David habe Lobsingen gemacht, stehet, und wie er unter ihnen eine Ordnung eingerichtet habe.

Und daß auch bey dem andern, zur Zeit des frommen Lb PersonEsra (fl. 458 v. Chr.) Esrä wieder aufgerichteten Le Geographicumg Gebäude: Jerusalem, Tempel Tempel es nicht an Vocal- und Instrumental-Music im Hause des Herrn gefehlet habe, ersehen wir nicht weniger gantz deutlich aus dem Buch des belobten Lb PersonJesaja Esaiä[16] c. 3. u. 10. Da es heißt: Ly BibelstelleEsra 3,10 Und da die Bau=Leute den Grund legten am Tempel des Herrn, stunden die Priester angezogen, mit Drometen, und die Leviten, samt den Kindern Lb PersonAsaf Assaph, zu loben den Herrn mit den Gedichten oder Psalmen Davids, des Königs in Jsrael.

So muß auch zu den Zeiten des Propheten Esaiä diese Ordnung der Lobsänger in dem Tempel des Herrn noch bestanden seyn, darum gelobet Lb PersonHiskija (ca. 750 – 696 v. Chr.) Hißkia in seinem Danck=Gebet gegen Gott vor wieder erlangte Gesundheit: Ly BibelstelleJesaja 38,20 Herr, hilf mir! so wollen wir Lieder singen, so lange wir leben im Hause des Herrn. Jes. 38, 20. Und noch zu seiner Zeit rühmet Lb PersonSirach, Jesus (180 – 175 v. Chr.) Syrach von David dem König in Jsrael Cap 47, 9. Ly BibelstelleJesus Sirach 47,9 Für ein jegliches Werck danckete er dem Heiligen, dem Höchsten, mit einem schönen Lied, er sang von gantzem Herzten, und stifftete Sänger bey dem Altar, etc.

Damit aber niemand sagen und einwenden möge, wie würcklich einige Bibel= [S. 10] Ausleger die über den Mißbrauch der Music,[17] sonderlich auch in der Kirche, ihren Eyfer gar zu hoch treiben, einwenden, ja das möge immerhin gelten und ausser allem Zweiffel seyn von dem Levitischen Gottes=Dienst in dem Alten Testament, daß also der Nahme deß Herrn mit Vocal- und Instrumental-Music in dem Hauße Gottes gelobet und gepreiset worden, daß so viel Sänger und Musici unter den Leviten bey dem Ceremonialischen Gottes=Dienst dieses Alten Bundes sich lieblich haben hören lassen; Aber das ist es eben, sagen sie, was wir zu dem Mosaischen Schatten=Werck der Jüdischen Kirche zehlen und rechnen, in dem Neuen Testament, und der aufgekommenen Christlichen Kirche aber, da man nicht mehr an den Tempel zu Jerusalem gebunden ist, und da man Gott im Geist und in der Wahrheit anbeiten [sic] solle, da will sich dieses alles nicht mehr schicken, und taugen keine musicalischen Instrumenten, Orgeln, und dergleichen mehr in unsere Kirchen und Gottes=Häuser, sondern es soll ein jeder frommer glaubiger Christ selber, eine lebendige Orgel vor dem Herren seyn, in lieblicher Hertzens= und Glaubens=Harmonie, mit dem andern ein und zusammen stimmen, nach Ephes. 4. Ly BibelstelleEpheser 4,3 Seyd fleißig zu halten die Einigkeit im Geist etc. Das seye die rechte und Gott wohlgefällige Music, das übrige alles bey unserer Vocal- und Instrumental-Music seyen dürfftige Satzungen, denen wir als Christen längst solten abgestorben seyn.

Wir antworten aber, und zwar mit dem Grund einer Göttlichen Uberzeugung aus dem Wort Gottes, daß es gantz ohnrichtig und falsch seye, die Music und Lob=Gesang in dem Tempel zu Jerusalem, oder auch vorher in der Hütte des Stiffts, zu dem Ceremonialischen Gottes=Dienst deß Alten Testaments zehlen zu wollen, dann wir haben oben in unserer Biblischen Historischen Eingangs=Rede bereits erwiesen, daß schon in der Patriarchalischen Kirche, oder zur Zeit der Heil[igen] Ertz=Vätter, ehe noch das Ceremonialische Gesetz Mosis aufgekommen ware, muthmaßlich bey dem Opffer= und anderm Gottesdienst lieblich seye gesungen und gespielet worden; Und was Lb PersonPaulus von Tarsus (10 v. Chr. – 60 n.Chr.) Paulus, der W W KorrekturOriginal: hocherlenchtetehocherleuchtete Apostel, noch in dem N[euen] Testament, da alles Schatten=Werck durch den Tod Christi allbereits aufgehoben ware, von den Glaubigen dieses Bundes ausdrücklich erfordert, wovon wir hernach mit mehrerem die Anzeige machen werden, das kan ja auf keine Weise, und nicht mit dem geringsten wahrscheinlichen Grund zu den Ceremonien des alten Bundes gerechnet werden. Daß wir Christen in dem N[euen] Testament aber nicht mehr an den Tempel zu Jerusalem gebunden sind, und Gott allenthalben im Geist und in der Warheit ehren und anbeten können, und absonderlich vermittelst einer wahren Geistes Einigkeit, in dem innern Hertzens= und Glaubens=Grund vor Gott lieblich musiciren und harmonisieren sollen, das ist eine ohnzweiffentlich= und recht vortreffliche Warheit, an deren wir niemahlen auslernen können, und die das Wesen und den Grund des Christenthums angehet: Allein so wenig solches alles beweiset, daß wir keine Kirchen= oder Bet=Häuser mehr in dem N[euen] Testament haben dörffen, darinnen wir zum Dienst Gottes, zum Gebet und Anhö= [S. 11] rung Göttlichen Wortes zusammen kommen, wovon wir zu anderer Zeit mehrers gezeuget, und eure Hertzen aus der Ermahnung deß Apostels Lb PersonPaulus von Tarsus (10 v. Chr. – 60 n.Chr.) Pauli, Ebr. 10. v. 25. Ly BibelstelleHebräer 10,24 Lasset uns Ly BibelstelleHebräer 10,25 nicht verlassen unsere Versammlungen etc. zu fleissiger Besuchung der offentlichen Zusammenkünffte in Gottes Hauß erwecket haben, so wenig lässet sich auch daraus schliessen, daß man keine Vocal- oder auch Instrumental-Music bey dem offentlichen Gottes=Dienst haben dörffe: Das eine solle man thun, und das andere nicht lassen, Gott loben und preisen im Geist und in der Wahrheit, und fleissig seyn zu halten die Einigkeit im Geist, aber auch mit der Stimme und lieblicher Abwechslung derselben, nicht weniger mit allerley Instrumenten, mit Harpffen und Psaltern, mit Saiten und Pfeiffen den Herrn loben in seinem Heiligthum.[18]

Und was dörffen wir weiter Zeugniß, haben wir doch das deutliche Wort deß H[eiligen] Apostels Pauli hievon sowohl in der Epistel an die Ephes. 5. v. 18. 19. als an die Coloss. 3. v. 16. welches uns von Jugend auf aus unsern gelernten Sprüchen bekannt genug ist, wann es in der erstern Stelle unter andern also heisset: Ly BibelstelleEpheser 5,18–19 Sondern werdet voll Geistes, und redet untereinander von Psalmen und Lob=Gesängen, und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in euren Hertzen: Jn der andern aber der liebe Apostel sich also vermehmen läßt: Ly BibelstelleKolosser 3,16 Lasset das Wort Christi reichlich unter euch wohnen in aller Weißheit, lehret und ermahnet euch selbsten mit Psalmen und Lob=Gesängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Hertzen. Da gantz ausgemacht und richtig ist, daß die Psalmen, deren an beeden Orten Meldung geschiehet, eigentlich solche Gesänge, oder Lob=Lieder sind, zu welchen mit einem musicalischen Instrument zugleich mitgespielet wird;[19] Wie auch die Ermahnung, singet und spielet dem Herrn ψάλλετε in der Grund=Sprache solches gantz eigentlich mit sich bringet. Und ist der Schluß um so viel bündiger, wann wir aus der Kirchen=Geschichte derselben erstern Zeiten deß Christenthums anzumercken nicht vergessen, wie nemlich die erste Christen um so vieler blutigen Lm Ereignis41–311: Christenverfolgungen im Römischen Reich Verfolgungen willen, die sich schon damahls wider dieselbe um deß Evangelii wegen zu erheben angefangen, wohl Ursach gehabt hätten, ihre Harpffen an die Weiden aufzuhängen;[20] Da sie aber dannoch nicht geschwiegen, und aus der Fülle deß Geistes nichts destoweniger nach der Ermahnung deß Geistes, lieblich, dem Herrn Jesu zu Ehren, gesungen und geklungen haben, so werden sie hernach in den folgenden Zeiten, da die Verfolgungen aufgehöret, und ihnen die völlige Freyheit deß offentlichen Gottes=Dienstes verstattet worden, solcher um so mehr nachgelebet, und mit Psalm=Liedern und musicalischen Instrumenten sich unterinander erbauet haben.

Und so ist es also auch noch auf den heutigen Tag, und besonders heute in diesem unserm Le Geographicumg Gebäude: Winnenden, St. Jakobus Gottes=Hauß, als dem Heiligthum deß Herrn, ein köstlich Ding Lob zu singen dem Nahmen deß Allerhöchsten, und ihne nach unserm Text vornemlich auch [S. 12] zu preisen in der Veste seiner Macht,[21] welches wir hier am allerliebsten von dem Himmel seiner Herrlichkeit, wie wir auch oben bey Ly BibelstelleJesaja 57 Jes. 57. angezeiget haben, erklären wollen, also daß er hier auf Erden im Reich seiner Gnaden, in seiner Kirche im Heiligthum, droben aber in dem Reich seiner Himmeln, seiner ewigen Glorie und Herrlichkeit, von uns und allen seinen Geschöpffen ohnendlich gepreiset, gerühmet und verherrlichet werde, hier zwar noch im niedern, dorten aber im höhern Chor.

Lw MusikwerkAnonym: Lobe den Herren den mächtigen König So lobe dann den Herrn, den mächtigen König der Ehren,
Meine geliebte Seele, das ist mein Begehren,
Kommet zu Hauff, Psalter und Harpffe wach auff,
Lasset die Musicam hören!
[22]

Pars. II. Welches aber ist wohl die Materie, und der Jnnhalt deß bey einem wohl eingerichteten Gesang und Kirchen=Music lieblich erschallenden Lobs Gottes? Das ist eben das Zweyte Stück unserer dermahligen Betrachtung, und darauf antwortet David, der Mann lieblich in Lob=Gesängen, in unserm vorhabenden Text, daß es seyen die gewaltige Thaten, und die grosse Herrlichkeit deß Herrn, Ly BibelstellePsalmen 150,2 Lobet den Herrn, heißt es vers. 2. in seinen Thaten, lobet Jhn in seiner grossen Herrlichkeit. Viele solcher gewaltigen Thaten deß Herrn hat er in dem vorhergehenden Psalmen von Stück zu Stück nahmhafft gemacht, W W KorrekturOriginal: nndund es wäre hier zu weitläufftig, nur einige derselben, will nicht sagen alle an= und auszuführen. Man schlage davon zu Hauß nach vornemlich den Ly BibelstellePsalmen 104 104. Ly BibelstellePsalmen 105 105. Ly BibelstellePsalmen 106 106. Ly BibelstellePsalmen 107 107. und auch den Ly BibelstellePsalmen 136 136. Psalmen, in welchem der Königliche Prophet das gantze Natur= und Gnaden=Reich Gottes von Stück zu Stück durchgehet, und was darinn Anmerckungs=würdig, mit schönen Worten des Geistes bsechreibet; Nicht weniger die gantze Historie des Volcks Gottes von Lb PersonAbraham Abraham biß auf Lb PersonMoses Mosen, und von Lb PersonMoses Mose biß auf seine Zeiten, in dem Auffenthalt deß Volcks Jsrael in Egypten sowohl, als in dem Lande Le Geographicumh Territorium: Kanaan Canaan, nach ihrer Wunder= vollen Lm Ereignislegendär: Auszug der Israeliten aus Ägypten Außführung aus der Gefangenschafft durchläuffet, und allenthalben die Fußstapffen der Göttlichen Gerechtigkeit und Barmhertzigkeit mit lauter Loben und Dancken gegen Gott, vor seine gewaltige Thaten, anzeichnet, und Anfang, Mittel und Ende daran lauter Halleluja, und Ly BibelstellePsalmen 136,1 dancket dem Herrn, dann seine Güte währet ewiglich![23] seyn lässet, als welche Lob=Formul sonderlich in dem Ly BibelstellePsalmen 136 letzt angezeigten Psalmen nach der Zahl der Verse desselben 26mahl vorkommet.

Und eben hieraus leitet der Gott so hertzlich lobende David die grosse Herrlichkeit deß Herrn, die er in unserm Text rühmet, als durch eine gantz richtige Folge, her, die Ehre, nemlich seiner Allmacht, seiner Weißheit, seiner Güte und Barmhertzigkeit, seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit, seiner [S. 13] Treue und Warheit, und noch mehr anderer herrlichen Eigenschafften, die er so wohl an seinem Volck, als denen Feinden desselben, und nicht nur allein in dem Natur= und Allmachts=Reich, sondern auch und zwar absonderlich in dem Reich der Gnaden so mächtig und vortrefflich bewiesen hat, daß, wann alle Menschen ihre Zungen, ja alle Redner ihre Beredsamkeit vereinigen, und so gar alle Engel ihr Lob beygesellen würden, sie doch die grosse Thaten des Herrn, und seine ohnendliche Herrlichkeit, nicht genug rühmen und aussprechen könnten. Ly BibelstellePsalmen 40,6 Darum groß, Herr! sind deine Wunder und deine Gedancken, die du an uns beweisest, dir ist nichts gleich; Jch will sie verkündigen, und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zehlen sind.[24] Psal. 40. v. 6.

Lw MusikwerkSchop, Johann: Werde munter, mein Gemüte Keine Klugheit kan ausrechnen, Deine Güt und Wunder=That;
Ja kein Redner kan aussprechen, was dein‘ Hand bewiesen hat.
Deiner Wohlthat ist zuviel, sie hat weder Maaß noch Ziel.
[25]

Und allerliebste Zuhörer in dem Herrn Jesu! Sind die Thaten und Herrlichkeit des Herrn an seinem Volck Jsrael, in dem alten Bund groß und vortrefflich gewesen; Fürwahr so sind dieselbe an dem Jsrael des neuen Bundes, an uns Christen, als dem außerwählten Geschlecht, und heiligen Volck, noch ohnendlich grösser, und Ruhms= und Wundernswürdiger! dann je Gnadenreich= und völler die Göttliche Haußhaltung überhaupt in den Tagen des Neuen Testaments ist, vor der Zeit des alten Bundes, je mehr das Schatten=Werck des alt Ceremonialischen und Levitischen Gottes=Dienstes in dem neuen Bund vergangen, und der Tag deß Heyls und hellen Liechtes, bey dem Cörper Christo selber, herbey gekommen, also daß wir rühmen und sagen können, Ly BibelstelleRömer 13,12 die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbey gekommen, Röm. 13. Je grösser sind auch die Thaten und herrliche Wercke des grossen Gottes an uns, forderist zwar, der allmächtigen Schöpffung, da er uns gemachet hat zu Schaafen seiner Weyde; Der gnädigen Erlösung, da er uns durch seinen eingebohrnen Sohn mehr als aus einem Egyptischen Dienst=Hauß und Sclaverey außgeführet und erlöset hat, und das nicht mit Gold und Silber, sondern mit seinem eigenen und theuren Blut; und dann auch der herrlichen Beruffung, Sammlung und Erleuchtung des Heil[igen] Geistes, davon wir in unserm Christlichen Glauben bekennen, wie wir nemlich nicht aus eigener Krafft oder Vernunfft an Jesum Christum unsern Herrn glauben, oder zu ihme kommen können, sondern der Heil[ige] Geist habe uns durchs Evangelium beruffen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiliget und erhalten, etc. Da solle dann unser Mund voll Rühmens, und unsere Zunge voll heiligen Preises Gottes seyn, und alles was in uns ist, solle loben und er= [S. 14] heben den Nahmen des Herrn! ja Ly BibelstellePsalmen 150,6 alles was Othem hat, wie damit der Psalm beschlossen wird, solle in dem Lob des Allerhöchsten sich geschäfftig finden lassen.

Lw MusikwerkCrüger, Johann: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut Jhr, die ihr Christi Nahmen nennt,
Gebt unserm Gott die Ehre,
Jhr, die ihr Gottes Macht bekennt,
Gebt unserm Gott die Ehre,
Die falschen Götzen macht zu Spott,
Der Herr ist Gott
Der Herr ist Gott!
Gebt unserm Gott die Ehre!
[26]

Pars III. Auf was Art und Weise aber, oder mit was vor Stimmen und Instrumenten, solle bey einem wohl=eingerichtetem Gesang, und Kirchen=Music, das Lob Gottes also lieblich erschallen? davon wird das Dritte Stück unserer gemachten Abtheilung uns noch die weiter nöthige Nachricht geben.

Ly BibelstellePsalmen 150,1 Lobet den Herrn, also fähret der Psalmist fort, Ly BibelstellePsalmen 150,3–5 mit Posaunen, lobet ihn mit Psaltern und Harpffen, lobet ihn mit Paucken und Reigen, lobet ihn mit Saiten und Pfeiffen, lobet ihn mit hellen Cymbeln, lobet ihm mit wohlklingenden Cymbeln.

Es wurden nemlich zu erst in der Hütten des Stiffts, hernach aber in dem Tempel zu Jerusalem, die Davidische und andere Nahmen, theils ohne, theils mit gewissen Instrumenten, besungen; die blossen Gesänge hiessen Schirim Ebräisch, und im Griechischen ὠδαἱ, wie sie auch Paulus also nennet Ly BibelstelleKolosser 3,16 Col. 3. Ly BibelstelleEpheser 5,19 Ephes. 5. die mit Instrumenten gesungene aber hiessen Ebräisch Mismorim, oder eigentlich sogenannte Psalmen:[27] Gleichwie aber die Melodien so wohl, als auch die Poësie der alten Ebräer, unter uns Christen schon vorlängst gantz ohnbekannt worden, also können wir auch von den Musicalischen Instrumenten derselben eben so wenig mit einiger Gewißheit etwas sagen, dahero gantz vergeblich ist, mit ohngewissen Muthmassungen darüber sich viel einzulassen. So viel ist richtig und außgemacht, daß einige derselben sind geblasen worden, als etwa die Posaunen und Pfeiffen, wie es Lb PersonLuther, Martin (1483–1546) Lutherus in dem Psalmen übersetzt, mögen gewesen seyn; andere aber wurden geschlagen, als die ψαλτηρια oder Psalter, Harpffen, Paucken, Saiten oder Geigen, wie auch allerley Arten von Cymbeln, nach welchen sie ausser dem Gebrauch in dem Tempel, vielfältig im Reigen einher giengen, da nemlich Männer und Männer, und auch Weiber mit Weibern, in einem langen Reihen, einander an den Händen herum führten, [S. 15] und von Hertzen fröhlich waren, welches aber von unserm heutigen Welt üblichen Tantzen Himmel=weit enfernet ist. Aus allem erhellet so viel, welches zu unserm dermahligen Vorhaben genug ist, daß nemlich schon zu den Zeiten Davids, bey der Music so wohl im Hause Gottes, als daheim bey dem Privat-Gebrauch, allerley Abwechslungen nicht nur mit der Stimme, sondern auch mit blasenden und schlagenden Instrumenten üblich gewesen.

Ob aber, was in specie die Orgeln anlangt, schon zu Davids und Salomons Zeiten dieselbe bekannt und gebräuchlich gewesen, wie einige aus der grossen Weißheit Lb PersonSalomo Salomonis muthmassen wollen,[28] daß dieselbe sich auch auf Erfindung dieses vortrefflichsten unter allen Musicalischen Instrumenten solle erstrecket haben, das lassen wir an seinen Ort gestellt seyn, indem wir davon weder in Heil[iger] Schrifft, noch in denen Jüdischen Scribenten, nirgend keine zuverläßige Nachricht antreffen;[29] darinn aber finden wir mehrern Grund, daß einige die Erfindung der Orgeln dem 4ten, andere dem 7ten, und noch andere erst dem 9ten Jahr=hundert nach Christi Geburt zuschreiben, weil zu selben Zeit verschiedene Geschicht=Schreiber der Orgeln gedencken. Das lauterst und sicherste ist, daß der Griechische Kayser Lb PersonKonstantin V. von Byzanz (718–775) Constantinus in dem Jahr Christi 753. oder wie etliche wollen 757. dem König in Le Geographicumh Territorium: Frankreich Franckreich Lb PersonPippin (714–768) Pipino, des Kaysers Lb PersonKarl der Große (747–814) Caroli M[agni] Vattern, neben andern ansehnlichen Praesenten, auch eine Lm Ereignis757: Kaiser Konstantin V. Kopronymus von Byzanz schenkt Frankenkönig Pipin eine Orgel Orgel solle überschickt haben, welche die erste gewesen, die man in den Le Geographicumh Territorium: Europa Abend=Ländern gesehen, und davon einige Künstler hie und da in Le Geographicumh Territorium: Deutschland Teutschland, vornemlich aber in Le Geographicumf Ort: Nürnberg Nürnberg, das Modell und die Anleitung genommen, Positive und Orgel=Wercke nachzumachen. Mit welcher Nachricht wir uns auch begnügen lassen, und davor halten, daß wie viele andere Kunst=Wercke einen schlechten Anfang gehabt, nach und nach aber mehr excolirt und verbessert worden, also es auch mit den Orgeln ergangen, und denenselben von einer Zeit zur andern mehrere und unterschiedene Register beygefüget worden, da sie im Anfang so schlecht und gering gewesen, wie ein glaubwürdiger Scribent berichtet, daß sie nur aus 15. Pfeiffen bestanden, und man die Blasbälge darzu im Anfang von den Schmiden entlehnet habe.[30]

Was aber noch ferner von dem Gebrauch der Orgeln bey dem offentlichen Gottes=Dienst, zu halten seye, davon haben wir schon überhaupt bey dem ersten Stück unserer Betrachtung das nöthige erinnert: Besonders aber ist noch zu gedencken, daß gleichwie ein Orgel=Werck an sich etwas vortreffliches, ja wohl das allervollkommenste Instrument unter allen ist, die man nennen und haben kan,[31] also wohl zu Einrichtung und Behaltung eines harmonischen Gesangs, sonderlich bey grossen und Volckreichen Gemeinden, nichts nöthiger und nichts tauglicher seye, als eine Orgel;[32] Zudeme auch dardurch die beym Eingang in die Kirch etwa noch zerstreute Gemüther heilsamlich mögen beruhiget, und zur Andacht gesammlet werden, wie wir von Lb PersonSaul (fl. 1000 v. Chr.) Saul Ly Bibelstelle1 Samuel 16 1. Sam. 16. lesen daß wann der böse Geist ihne zur Zeit seiner damahligen Verwerffung von Gott, beunruhiget, und David auf der Harpffe vor ihm gespielet habe, so seye es wieder ruhiger und besser mit ihm worden, und wie wir [S. 16] insgemein dieses von einer wohleingerichteten Kirchen=Music behaupten mögen, daß dardurch die flüchtige Gemüther der Menschen vor angehendem Gottes=Dienst in eine gute Verfassung gebracht, und fähig gemachet werden mögen, göttlich= und geistliche Dinge hernach mit desto mehrerer Andacht zu Hertzen zu nehmen.

Doch wie bey allen Menschlichen Erfindungen, und an sich guten und heilsamen Sachen nichts so gut ist, daß es nicht auch durch Mißbrauch solte verdorben, und von seinem rechten Endzweck vielfältig abgeleitet werden; Also ist sowohl überhaupt bey der Kirchen=Music, als besonders bey dem Spielen der Orgeln, auch viel und mancherley Mißbrauch durch Betrug deß leidigen Satans eingeführet worden. Dahin gehöret, wann durch allzulanges praeludiren, oder musiciren, manchmal die edle Zeit verdorben, oder auch durch eite und üppige Art im Spielen mit der Orgel, oder auf Instrumenten (davon wir zwar an Le Geographicumg Gebäude: Winnenden, St. Jakobus unserm Ort nichts böses werden zu befahren haben) die Gemüther der Kirch=gehenden mehr vereitelt, und von der Andacht abgehalten werden. Vornemlich aber so zehlen wir zu solchen Mißbräuchen auf unsern Orgeln, und bey der Kirchen=Music, die schon alte, und auch an dieser Stätte schon offtmahls wiederholte Klagen, theils darüber, daß die Orgeln, oder vielmehr die Oerter, wo dieselbe in den Gottes=Häusern aufgestellet sind, meistens zu liederlichen Schwätz=Biegeln, und Frey=Stätten allerley ohngezäumten Muthwillens, mißbrauchet werden: O liebster Gott! was ist das vor ein Greuel der Verwüstung an der heiligen Stätte! Was muß man da nicht offt von Excessen der unordentlichen Leuthe, die sich wider Recht und Ordnung dahin stellen, und sich nicht vertreiben lassen wollen, zu seiner grössesten Betrübniß, von frembden und Christlichen Personen sich sagen lassen? Und ich weiß, der Herr wird uns Krafft und Beystand leisten, als worum wir Jhne eyfrig bitten, daß wir diesem Unwesen hinkünfftig, mit aller Macht werden steuren können: Theils aber finden wir dabey auch Ursache zu klagen, über die manchmahl so grosse Disharmonie der Singend= und Musicirenden in ihren Gemüthern, eine unter den Musicis fast sehr gemeine Seuche: Was solle aber das vor eine Erweckung zur Andacht, und vor ein Lob deß Herren in seinem Hause seyn, wo die Hertzen derselben also getrennet, und durch Haß und Feindseeligkeit gleichsam zerrissen sind? Wer will da, auch nur bey verständigen Zuhörern, wissen, Ly Bibelstelle1 Korinther 14,7 was gepfiffen oder geharpffet sey? Frage ich dabey aus 1. Cor. 14. v. 7. Und was muß es vor ein Geplerr noch mehr in den heiligen Ohren Gottes abgeben? Als der schon vorlängst darüber also sich hat vernehmen lassen: Ly BibelstelleAmos 5,23 Thut nur weg von mir das Geplerr eurer Lieder, dann ich mag eures Psalter=Spiels nicht hören. Amos 5. vers. 23.

Darum lasset uns inskünfftige auch diesen Mißbrauch aus unserm Gottes=Hauß allen Ernstes verbannen, und durch redliche Vereinigung, vorderist der Hertzen, hernach auch der Stimmen und Instrumenten, unserm neu=erbauten Orgel=Werck erst seine rechte Zierde und Vollkommenheit vollends geben, daß es auch von [S. 17] unserer Kirchen=Music und Lob=Gesang des Höchsten mit Gebet und Posaunen heissen möge, wie ichs nie ohne inwendige Belustigung lesen kan, in dem 2. B. Chron. 5. v. 12. 13. als die Leviten, mit allen die unter Assaph waren, Ly Bibelstelle2 Chronik 5,12–13 sungen mit Cymbeln, Psaltern und Harpffen, und stunden gegen Morgen deß Altars, und bey ihnen hundert und zwantzig Priester, die mit Trommeten bliesen, so war es, als wärs einer der trommetete und sunge, und als hörete man eine Stimme zu loben und zu dancken dem Herrn.

Fürwahr! Ly BibelstellePsalmen 147,1 solch Lob ist lieblich und schön.

Und unter solcher hertzlichen Erweckung verrichten wir dann in dem Nahmen der hochgelobten Dreyfaltigkeit, da wir nun zu dem Beschluß unserer Rede eilen, dasjenige, worzu wir an dem heutigen Gedenck=Sonntag eigentlich zusammen gekommen sind, nemlich daß wir das gegewärtig hier vor unsern Augen stehende neue Orgel=Werck, dem Drey=Einigen Gott, Vatter, Sohn und heiligem Geist, zu seinem ewigen Lob, Preiß und Ehren, auf das feyerlichst= und hertzlichste hiemit wiedmen, übergeben und weyhen.

So höre dann, O du grosser und majestätischer Gott! der du wohnest unter dem Lob Jsrael, und von so viel tausend Himmels=Chören in deiner Herrlichkeit auch heute besungen wirst, und laß dir unsere schwache Bemühung, dein Gottes=Hauß in bessern Stand zu setzen, und dein Lob darinnen zu vermehren, um Jesu Christi willen wohl gefallen. Bewahre diese deine Stätte, samt dem neu=erbauten Werck, wie du bißher in Gnaden gethan hast, vor Feuer= und Feindes=Gefahr, wie auch vor allem andern Unglück und Schaden: Lasse neben der rein= und lautern Verkündigung deines Heil[igen] Göttlichen Worts, und Außspendung der lieben Sacramenten, in diesem Hauß, auch unter lieblicher Absingung unserer so wohl alt= als neuen sehr köstlich Evangelischer Lieder, bey einem harmonischen Choral, und durchdringenden Klang dieser unserer Orgel, auf dieser Gott geweyhten Cantzel allezeit in Lehr= und Leben wohlgestimmte lebende Orgeln erfunden werden, ich will sagen, Lehrer und Prediger nach deinem Hertzen, die ihre Stimme getrost erheben, und einen Nahmen und Ruhm einmüthiglich und als aus einem Hertzen, und einer Seele, je mehr und mehr außbreiten und verkündigen. Ja du wollest auch [S. 18] aus Gnaden uns alle, die wir zu dieser lieben Gemeinde in Stadt und Filialien Winnenden gehören, und dieses neue Werck künfftig hören und gebrauchen werden, durch deinen guten heiligen Geist, als den alles belebenden Wind von oben, kräfftiglich erwecken, daß wir dir so wohl hier, als auch daheim, allezeit im Geist und in der Wahrheit dienen, daß wir dir singen und spielen vornehmlich in unsern Hertzen,[33] und uns je mehr und mehr in der etwa noch kurtzen Lebens=Zeit durch Busse und Glauben also bereiten, damit wir die Hoffnung haben können, dir mit allen Heiligen und Auserwählten im höhern Chor dermahleins ein ewiges Halleluja, Sieges= und Triumps=Lied [sic] im Himmel anzustimmen. Jnsbesondere aber bitten wir dich, daß du als ein Gott aller Gnaden und Barmhertzigkeit, der nicht vergisset der Wercke und Arbeit der Liebe an denen Heiligen, und Gottes=Häusern, bewiesen, allen denenjenigen Christlichen Freunden und Gutthätern (*) dieses deines Hauses, sie seyen in dem höherem oder niedrigerem Stand, sie gehören zu dieser unserer lieben Gemeinde, oder seyen ausser derselben, sie heissen Obrigkeiten und Vorsteher, oder Untergebene und Zuhörer, sie haben vor sich Liebe und Gutthat bewiesen, oder auch andere durch ihr Exempel und Zuspruch, darzu erwecket, mit einem Wort allen denjenigen samt und sonders, die zu Erbauung so wohl dieses neuen Orgel=Wercks, als Reparation der Kirche, mit willigem Hertzen etwas beygetragen haben, und noch ferner beytragen werden, ihre redlich= und reichliche Liebe zu einem reichen Seegen und Vergeltung in Zeit und Ewigkeit gedencken und anschreiben wollest. Diejenge zwar, O gnädig= und erbarmender Gott! die dißfalls nach Vermögen gethan haben, die lasse den Abgang dessen an ihren zeitlichen Gütern nicht spühren, ja ersetze es mit einer gedoppelten Portion in leiblich und geistlichen Gütern: Diejenige


(*) Hier wurde bey dem mündlichen Vortrag, zur danckbarlichen Recognition der empfangenen Gutthaten vor der gantzen Gemeinde, die Anzeige derselben etwas mehr specifice gemachet, und nahmentlich gedancket; weilen aber dieses schrifftliche Gezeugniß vielleicht weiter, als bey der Gemeinde sich ausbreiten möchte, so habe aus nöthiger Bescheidenheit, und um damit es nicht das Ansehen bekomme, als wollten wir mit unsern Allmosen prangen, Ly BibelstelleMatthäus 6,1–2 Matth. 6. v. 1. 2. bey dem Druck damit zurück gehalten.[34]

[S. 19]

aber, die über Vermögen willig gewesen sind, wie ich dann solches von vielen aus der Gemeinde offentlich zu rühmen Ursache finde, nach dem Exempel der Gemeinde in Le Geographicumh Territorium: Achaia Achaja, Ly Bibelstelle2 Korinther 8 2. Cor. 8. denen thue überschwenglich mehr gutes an Seele und Leib, als sie selber wünschen und bitten mögen, und erquicke sie als fröhliche Geber dereinsten darvor noch auf ihrem Krancken=Bett, ja selbsten in der Ewigkeit, nach dem Seegen des Ly BibelstellePsalmen 41,2–4 Psalmen 41. v. 2. 3. 4.

Diejenige aber, die bißher, als Lb PersonThomas (Apostel) Thomas=Brüder und Schwestern mit ihrer Gutthat unter uns zurück geblieben sind, darum, daß sie nicht haben glauben wollen, daß das Werck noch endlich unter Gottes Beystand zu Ende kommen werde,[35] die wollest du als der Herr, der aller Menschen Hertzen in seiner Hand hat, noch jetzo lencken und regieren, daß sie einbringen was sie versäumet haben, und mit doppelter Frucht solches erstatten, indeme ich nicht bergen kan, daß wegen zugleich mit vorgenommener Besserung der Kirche, und Herstellung einer neuen saubern Decke in derselben, da wir unserer piorum Corporum, wie billig, gerne schonen, nöthig seyn wolle, daß wir mit noch ferneren Liebes=Wercken einige Zeit continuiren, und darzu besonders unsere junge Leuthe in der Gemeinde auch offentlich aufruffen, als welche dieses neue Orgel=Werck hinkünfftig vornemlich geniessen werden. Endlich so wollest du auch unserm so geschickt= als fleißigen Orgelmacher Lb PersonSchmahl, Georg Friedrich Schmalen, welcher in dieser so harten winterlichen Zeit, meist mit eigener Hand, und ohnausgesetzt, das gantze Werck gefertiget, und vermuthlich von seiner Gesundheit ein grosses dabey zugesetzt hat, O lieber Gott! in Genaden darvor lohnen, und ihne bey seiner Arbeit noch ferner zu einem tüchtigen Werckzeug deines Lobes und Preises machen, dessen sich auch andere Gottes=Häuser inskünfftig erfreuen mögen.

Schließlich, so nehmen wir noch folgende nützliche Erinnerungen zu einem bleibend=geseegneten Andencken der heute vorgenommenen Orgel=Einweyhung, aus unserm Davidischen Lob=Text, mit nach Hauß.

Allerliebste Zuhörer!

1.) Will unser Gott gelobet und gepreiset seyn in seinem Heiligthum,[36] so lasset uns dann dasselbe inskünfftig gerne und fleißig besuchen, und den offentlichen Got= [S. 20] tes=Dienst ja niemahlen aus nichtswürdigen Ursachen, unter allerley Entschuldigungen, wie etwa manche unter uns thun, versaumen; Sonst wird es Gott gewiß von uns fordern! ihr habt oben gehört, wie David so sehnlich gewünschet in seinem 27. Psalmen, daß er im Hause deß Herrn bleiben möchte sein Lebenlang:[37] Ach so lasset uns dann diesen Davidischen Sinn auch je mehr und mehr annehmen, und gantz versichert glauben, daß der andächtigen Seele das Lob Gottes nirgend besser schmecke, als in dem Heiligthum, da ein Lob=Opffer das andere, so zu reden, mit in den Himmel hinauf ziehet und treibet.

2.) Sind aber die grosse Thaten und Herrlichkeit Gottes, wie ihr gehöret habt, vornemlich der Jnnhalt eines dem Herrn wohlgefälligen Lob= und Danck=Gesangs, ach! so lasset uns unsere Hertzen andächtiglich erwecken, die Magnalia Dei, die grosse Wercke und Thaten Gottes, in den beeden Reichen desselben, öffters zu erwägen, und zu betrachten; daß wir unsere Gedancken damit heilsamlich bekräfftigen, wir mögen zu Hause seyn, oder auf dem Felde gehen, ja wir mögen wachen oder schlaffen. Dann ruffet der Prophet Lb PersonJesaja Esaias das Weh über alle diejenige so ernstlich aus, und schon zu seiner Zeit, die nicht sehen auf die Wercke deß Herrn, Esa. 5. v. 12. Wie viel meynen wir schwerer werde nun in dem neuen Bund das Gericht Gottes über alle vergeßlich= und undanckbare Verächter der so grossen Gnade Gottes in Christo Jesu seyn? Die eine so grosse Herrlich= und Seeligkeit nicht achten. Darum, Ly BibelstelleJesaja 44,21 Jsrael! vergiß mein nicht!

Lw MusikwerkAnonym: Lobe den Herren den mächtigen König Dencke daran, was der Allmächtige kan,
Der dir mit Liebe begegnet!
[38]

3. Endlich sollen wir unsern Gott nach der Davidischen Anweisung loben mit Psaltern, und Harpffen, mit Saiten und Pfeiffen, etc.[39] und also nicht weniger mit Instrumental- als Vocal-Music: So lasset uns eines Theils hüten, daß wir die Music, die an sich eine edle Gabe Gottes ist, und des Menschen Hertz lieblich erfreuen kan, ohne Noth und Ursach, mit einem sauersehenden Affect, nicht verachten, oder verwerffen; aber auch andern Theils wohl, und noch sorgfältiger, zusehen, daß wir dieselbe nicht zu sundlichen Gelagen, bey weltlicher Uppig= und Lustbarkeit, mißbrauchen, wie die Welt=Kinder zu thun pflegen, sondern solche Gesellschaften, darinn die Instrumenten, damit Gott sonst in der Kirche gelobet wird, mißbrauchet werden zu Sünden und Muthwillen, ernstlich flehen und hassen, und den merckwürdigen Außspruch des Heil[igen] Apostels Lb PersonJakobus ( – 44 (Sterbejahr)) Jacobi uns wohl zu Gemüthe ziehen: Aus einem Mund, in der Application aus einem Instrument, gehet Loben und Fluchen: Ly BibelstelleJakobus 3,10–11 Aber es soll nicht also seyn, lieben Brüder; quillet auch ein Bronn aus einem Loch süß und bitter! Jac. 3. v. 10.

[S. 21]

4.) Ja über alles, daß wir annoch am Ende aus Gelegenheit unsers neu=erbauten Orgel=Wercks etwas erbauliches lernen, so lasset uns, so viel unserer sind, die Gott unter dieser lieben Gemeinde, in einen gewissen Beruff und Amt, entweder im weltlich= oder geistlichen Stande gesetzet hat, wohl erkennen, wie die gemeinschafftliche und harmonische Anwendung der von Gott verliehenen Gaben und Kräfften, zum gemeinen Nutz, so vortrefflich und köstlich vor Gott sey. Eine Orgel bestehet aus vielen und sehr unterschiedenen theils zinnern= theils höltzernen Pfeiffen, wie wir dann in unserm neuen Werck 1541. Pfeiffen zehlen, die meist alle einen unterschiedlichen Thon machen, und doch wann sie in einer harmonischen Ordnung zusammen gespielet werden, so entsteht daraus eine solche liebliche Symphonie, die man mit Vergnügen hören kan: Also sind in einer Gemeinde, nach denen zerschiedenen Aemtern, viel Gaben und viel Kräfften, da der eine regieret, der andere gehorchet, der eine lehret, der andere zuhöret, u[nd] s[o] f[ort].[40] Wann nun diese Aemter, Gaben und Kräfften wider Gottes Ordnung dissoniren, oder nicht zusammen stimmen, so kan nichts als Unheyl und Schaden drauß entstehen; Wo aber dieselbe harmonieren, wo Brüder und Collegen einträchtig bey einander wohnen, daß man in Neben=Dingen und geringen Sachen einander nachgibt, da man im Haupt Werck eines ist, wo Friede und Einigkeit blühet und regieret, da ists eine liebliche Music vor Gott und Menschen, und da verheisset der Herr Leben und Seegen immer und ewiglich. Nun so lobe dann alles was Othem hat, den Nahmen des Herrn, Halleluja![41]

Lw MusikwerkCrüger, Johann: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut So kommet vor sein Angesicht,
Mit Jauchzen vollem Springen,
Bezahlet die gelobte Pflicht,
Und laßt uns fröhlich singen:
Gott hat es alles wohl gemacht:
Und alles, alles recht bedacht,
Gebt unserm Gott die Ehre:
[42]
Amen! Halleluja.

[S. [22]]

Zugab einer kurtzen Nachricht von der gantzen Einrichtung deß neuen Orgel=Wercks.

Djeweilen nicht nur einige gute Freunde, die dieser Predigt, und dem Einweyhungs=Actu, beygewohnet haben, um Communication solcher Nachricht gebeten, sondern man überhaupt darvor gehalten, daß auch anderen, denen diese Predigt zu Gesicht kommen würde, nicht ohnangenehm seyn möchte, eine kleine Beschreibung von dem gantzen Werck zu haben, da vielleicht auch hie und dorten, wo man vor ein Orgel=Werck jetzo oder künftig zu sorgen hat, dieser Aufsatz nützlich seyn könnte, als hat man nicht entstehen wollen, folgendes noch pro notitiâ beyzufügen.

Es ist aber zu wissen, daß die Disposition zu dem Werck, schon Anno 1737. mense Octobri. der im Leben beliebt gewesen, nun seel[ige] Organist Lb PersonVogt, Johann Thomas ( – ca. 1737) Johann Thomas Vogt in Le Geographicumf Ort: Tübingen Tübingen aufgesetzt habe: Weilen aber der so geschickt als fleißige Orgelmacher in Ulm, Herr Lb PersonSchmahl, Georg Friedrich (1700–1773) Georg Friedrich Schmal, deme man damals das Werck vor Ein Tausend Gülden veraccordiret, immittelst nicht nur in Le Geographicumf Ort: Herrenberg Herrenberg auch ein neues Ld OrgelHerrenberg, Stiftskirche, Georg Friedrich Schmahl-Orgel (1739) Werck zu fertigen hatte, sondern auch an zerschiedenen Orten mit nöthigen Repartionen sich beschäfftigen muste, so kam er erst auf den Herbst An[no] 1739. bey uns an, und arbeitete von selbiger Zeit an, biß hieher, meist gantz allein, und mit eigener Hand, und zwar mit solcher Emsigkeit und Eyfer an dieser unserer neuen Orgel, daß er auch bey der härtesten Kälte in der Kirch selten aussetzte, und solchergestalten unter Göttlicher Hülffe sie so wohl gemacht zu Stand brachte, daß zu seinem wohlverdienten Lob billig noch zu gedencken ist, wie bey männiglich, wer das Werck dato noch gehört und gesehen, es viele Approbation bekommen, und vornemlich Herr Hof=Organist Lb PersonBamberg, Georg Philipp Bamberg von Le Geographicumf Ort: Stuttgart Stuttgart, den wir hierzu besonders erbetten haben, an demselben gantz und gar keinen Tadel gefunden.

[S. [23]]

I. Clavier und Haupt=Werck.
  • 1. Principal 8. Fuß Thon/ ins Gesicht von reinem Zihn.
  • 2. Quintadena 16. Fuß Thon/ die 2. grosse Octaven von Holtz/ übrige aber von vermischtem Metall.
  • 3. Gedäckt/ 8. Fuß von Holtz.
  • 4. Viola di Gamba 8. Fuß.
  • 5. Octava 4. Fuß.
  • 6. Rohr=Flöten 4. Fuß.
  • 7. Quinta 3. Fuß.
  • 8. Superoctav 2. Fuß.
  • 9. Sesquialtera 2fach aus e. c.
  • 10. Mixtura 6fach aus c. g. c. e. g. c.
  • 11. Cinibel 3fach aus c. g. c.
II. Clavier und Ober=Werck.
  • 1. Principal 8. Fuß/ die 6. grössesten Pfeiffen von Holtz/ übrige von Zihn ins Gesicht.
  • 2. Quintadena 8. Fuß. Nach obiger Vermischung.
  • 3. Octava 4. Fuß. Nach obiger Vermischung.
  • 4. Superoctav 2. Fuß. Nach obiger Vermischung.
  • 5. Sesquialtera 2fach aus g. e. Nach obiger Vermischung.
  • 6. Mixtura 5fach g. c. e. g. c. Nach obiger Vermischung.

Not[a]. Vom 4ten Reg[ister] an besteht die Materie in halb Zihn und halb Bley.

III. Pedal.
  • 1. Principal 16. Fuß. Von Holtz.
  • 2. Subbass 16. Fuß. Von Holtz.
  • 3. Octav 8. Fuß. Von Holtz.
  • 4. Coppel=Zug ins Haupt=Werck. Von Holtz.
  • 5. 2. Sperr=Ventill. Von Holtz.
  • 6. Wind-Ventill. Von Holtz.
  • 7. Tremulant mit einem Bälglein.

Die gantze Summ aller Pfeiffen ist 1541. 157. von Holtz. 1384. v[on] Zihn.

Ly BibelstellePsalmen 150,6 Alles was Othem hat, lobe den Herrn, Halleluja.

Ende.

Einzelanmerkungen

  1. Anspielung auf Ly BibelstellePsalmen 137,2 Ps 137,2.
  2. Anspielung auf Ly BibelstelleGenesis 4,21 Gen 4,21.
  3. Der Umstand, dass die Erfindung der Musikinstrumente im Alten Testament der Gestalt des Lb PersonJubal Jubal zugeschrieben wird, der aus der negativ besetzten Linie Lb PersonKain Kains stammte, wird in der Gattung der Orgelpredigt in den meisten Fällen übergangen oder durch andere, davon ablenkende Aspekte überdeckt, vgl. etwa Orgel=Predigt (Arnstadt 1666), S. 20f. Angeschnitten wird das problematische Thema noch in einer der frühen Orgelpredigten, vgl. Christliche Predigt (Tübingen 1606), S. 13. Zentral wurde für die Predigtautoren vor allem das hohe, prähistorische Alter der Erfindung, die sich noch vor der Lm Ereignislegendär: Sintflut Sintflut ereignet hatte, vgl. Arneth, Bibelexegese in ausgewählten Orgelpredigten (2022), bes. S. 61f.
  4. Leicht gekürztes Zitat. Miriam greift den Text in ihrem sich anschließenden Lobgesang wieder auf, vgl. Ly BibelstelleExodus 15,21 Ex 15,21.
  5. Paraphrase von Ly BibelstellePsalmen 150,1–5 Ps 150,1-5.
  6. Bilhuber greift auf ein Konzept zurück, dass als erster Orgelprediger Lc PredigtautorDieterich, Conrad (1575–1639) Conrad Dieterich ausgeführt hatte, vgl. Vlmische Orgel Predigt (Ulm 1624), S. 40. Die allegorischen Deutungen, die sich an die Gleichsetzung des Menschen mit der Orgel knüpften, spielen bei Bilhuber allerdings keine Rolle mehr. Vgl. zum Kontext Dittrich, Allegorische Deutungen der Orgel (2022).
  7. Anspielung auf Ly BibelstelleEpheser 5,19 Eph 5,19.
  8. Anspielung auf Ly BibelstelleKolosser 3,17 Kol 3,17.
  9. Anspielung auf Ly Bibelstelle 150,6 Ps 150,6.
  10. 5. Strophe des Liedes Lw MusikwerkAnonym: Lobe den Herren den mächtigen König M Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren.
  11. Anspielung auf Ly BibelstellePsalmen 150,1 Ps 150,1.
  12. Das u. ist hier und an einigen weiteren Stellen des Drucks als Abkürzung für v[ersus] zu verstehen. Denn gemeint ist die im Folgenden zitierte und paraphrasierte Stelle in Jes 57,15.
  13. Grammatisch angepasste Paraphrase der angegebenen Ly BibelstelleJesaja 57,15 Bibelstelle.
  14. Bilhuber orientiert sich bei der Kapitelangabe an der Vulgata-Zählung. Nach der Lutherbibel handelt es sich um Ly Bibelstelle1 Chronik 25 1 Chr 25.
  15. In älteren Bibelausgaben lautet die Übersetzung der Überschrift noch anders, vgl. etwa Calov, Bibel 1 (1681), Sp. 247. Als Beispiel für die von Bilhuber zitierte Fassung wurde eine ein Jahr nach der Orgelpredigt veröffentlichte Bibel gefunden, vgl. Biblia (1741), S. 368.
  16. Die Person ist offenkundig verwechselt worden. Es handelt sich um Lb PersonEsra (fl. 458 v. Chr.) Esra.
  17. Bilhuber spielt hier auf eine musiktheologische Debatte an, die zu seiner Zeit bereits an Bedeutung verloren hatte. Vgl. die ausführlichere Abhandlung dieses Themas in Lc PredigtautorMasecovius, Christian (1673–1732) Christian Masecovius’ Orgelpredigt, Die Kneiphöffsche laute Orgel=Stimme (Königsberg 1721), S. 8f.
  18. Anspielung auf Ly BibelstellePsalmen 150,1.3.5 Psalm 150, Verse 1, 3 und 5.
  19. Erneut greift Bilhuber ein klassisches Argument der lutherischen Orgelpredigtautoren auf. Mit reichen Belegen aus der Sekundärliteratur erläuterte etwa Lc PredigtautorLütkens, Nicolaus (1675–1736) Nicolaus Lütkens die Gattungsunterschiede der alttestamentarischen Dichtungsformen, vgl. Hymnosophia sacra (Billwerder 1728), S. 19-21.
  20. Anspielung auf Ly BibelstellePsalmen 137,2 Ps 137,2.
  21. Anspielung auf Ly BibelstellePsalmen 150,1 Ps 150,1.
  22. 1. Strophe des Liedes Lw MusikwerkAnonym: Lobe den Herren den mächtigen König M Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Der Beginn wurde verändert.
  23. Zitat mit Kürzung.
  24. Am Anfang des Verses wurde die Wortreihenfolge leicht verändert.
  25. Bilhuber zitiert die ersten sechs Zeilen der 3. Strophe des Liedes Lw MusikwerkSchop, Johann: Werde munter, mein Gemüte M Werde munter, mein Gemüte.
  26. 5. Strophe des Liedes Lw MusikwerkCrüger, Johann: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut M Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut.
  27. Vgl. hierzu Sonntag, Tituli psalmorum (1687), S. 11.
  28. Siehe weiterführende Informationen zu diesem Thema im Artikel über Ld OrgelJerusalem, Salomos Tempel-Orgel (legendär) Salomos Tempelorgel auf diesem Portal.
  29. Bilhuber teilt die skeptische Haltung, wie sie im populärwissenschaftlichen Schrifttum zur Musik im alten Testament schon länger verbreitet war, vgl. etwa Mirus, Kurtze Fragen aus der Musica Sacra (1707), S. 57f.
  30. Anspielung auf die von dem Kirchenvater Lb PersonHieronymus, Sophronius Eusebius (347–420) Hieronymus beschriebene spätantike Orgel in Le Geographicumf Ort: Jerusalem Jerusalem. Siehe die primäre Quelle hierzu im Artikel über die betreffende Ld OrgelJerusalem, spätantike Orgel 400c Orgel. Die Information, dass dieses Instrument 15 Pfeifen besessen habe, wurde vor allem durch Lb PersonPraetorius, Michael (1571–1621) Michael Praetorius verbreitet, vgl. Praetorius, Syntagma musicum 2 (1619), S. 91.
  31. Zum Topos der Orgel als vollkommenstes Instrument vgl. Braun, Wunderwerk, Sammelobjekt, Herrschaftssymbol (2022), bes. S. 130-148.
  32. Es ist typisch für die Orgelpredigten des 18. Jahrhunderts, dass als wesentliche Funktion der Orgel die Begleitung des Gemeindegesangs angesehen wurde, wie es in ähnlicher Weise folgende Werke zeigen: Hymnosophia sacra (Billwerder 1728); Das Neue Lied (Freiberg 1735). Das allmähliche Vordringen dieses Themas belegen Christliche Orgel-Predigt (Danzig s.a.), S. 2; Das rein-gestimmte Orgel-Werk unsers Herzens (Nürnberg s.a.), S. 13; Die Billige Orgel-Freude (Danzig 1739), S. 13, 20.
  33. Anspielung auf Ly BibelstelleEpheser 5,19 Eph 5,19.
  34. Diese Zurückhaltung in der Nennung der Stifternamen ist ungewöhnlich im Kontext der Orgelpredigtgattung, da die Drucke in der Regel gerade die Funktion hatten, an die Geldgeber zu erinnern, vgl. Braun, Wunderwerk, Sammelobjekt, Herrschaftssymbol (2022), bes. S. 159-163. Möglicherweise orientierte sich Bilhuber an den kritischen Stimmen, die es zu dieser Praxis besonders seit Lb PersonGerber, Christian (1660–1731) Christian Gerber immer gegeben hatte.
  35. Anspielung auf den ungläubigen Apostel Lb PersonThomas (Apostel) Thomas, der erst an die Erscheinung des auferstandenen Jesus glaubte, nachdem er den Finger in die Wunden des Gekreuzigten gelegt hatte.
  36. Anspielung auf Ly BibelstellePsalmen 150,1 Ps 150,1.
  37. Paraphrase auf Ly BibelstellePsalmen 27,4 Ps 27,4.
  38. Zweite Hälfte der 4. Strophe des Liedes Lw MusikwerkAnonym: Lobe den Herren den mächtigen König M Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren.
  39. Anspielung auf Ly BibelstellePsalmen 150,3–4 Ps 150, 3-4.
  40. Vgl. zur langen Tradition dieses allegorischen Topos, Dittrich, Allegorische Deutungen der Orgel (2022), bes. S. 174-177.
  41. Paraphrase von Ly BibelstellePsalmen 150,6 Ps 150,6.
  42. 9. Strophe des Liedes Lw MusikwerkCrüger, Johann: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut M Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut.

Letzte Änderung dieses Dokuments am 23. Juni 2022.

Wenn Ihnen auf dieser Seite ein Fehler oder eine Ungenauigkeit aufgefallen ist, so bitten wir um eine kurze Nachricht an